Leben - Junge Jahre

    

Ein Leben als Architekt und Städteplaner


    
Sep Ruf wurde am 9. März 1908 in der königlichen Residenzstadt München geboren und drei Tage danach römisch-katholisch auf den Namen Franz Josef Ruf getauft.











Dieses Bild zeigt ihn 1909 an der Hand seines Vaters.
             
Seine Mutter Wilhelmine "Mina" Ruf, geb. Scharrer (1886-1962), kam aus Weißenburg in Franken. Die Familie Scharrer war protestantisch und Mina Scharrer war, um Josef Ruf heiraten zu können, zum römisch-katholischen Glauben konvertiert. 

Mütterlicherseits war der Großvater August Ludwig Scharrer, Drahtzieher, geboren in Weißenburg und die Großmutter war Eva Maria Scharrer, geb. Veitengruber aus Pleinfeld.

Mina Ruf war Mitglied und später Ehrenpräsidentin des Katholischen Frauenbundes Bayerns, dem sie bis zu Ihrem Lebensende angehörte.
   
Sein Vater Peter Josef Ruf (1883-1939), geboren in Dinkelsbühl in Franken, war Rechnungsinspektor bei der Bayerischen Versicherungsanstalt in München.

Der Großvater väterlicherseits war Franz Xaver Ruf (1845-1939), Kaufmann und  Konditoreibesitzer in der alten fränkischen Stadt Dinkelsbühl und die Großmutter war Theresa Sand geb. Erhard (1846-1927), Neumüllerstochter, geboren in der Neumühle bei Dinkelsbühl.

1909 wurde sein kleiner Bruder Franz Xaver geboren.
    
Wenn die kleine Familie von München nach Franken zu den Großeltern fuhr, erlebten die Kinder dort herrliche Zeiten.

In Dinkelsbühl war die Familie Ruf weit verbreitet durch viele Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen. Sie waren Ökonomen, besaßen die Bleich, mit der großen Wiese, auf der die langen Leinenbahnen in der Sonne zum Bleichen auslegt wurden und waren Besitzer der Rufschen Badeanstalt an der Wörnitz. Sein Vater war als Junge der erste Tambourmajor in der Dinkelsbühler Knabenkapelle gewesen.

Die mittelalterliche Stadt mit den alten Gebäuden war damals schon berühmt für die Kinderzeche, in der die Geschichte der Kinderlore erzählt wird, die die Stadt im dreißigjährigen Krieg vor den Schwedenplünderungen schützte. Ein anderer berühmter Sohn der Stadt war Christoph von Schmid, der das Weihnachtslied "Ihr Kinderlein kommet" schrieb.
     
Der Großvater Franz Ruf war zudem ein Lebzelter und Spezereihändler und sein Enkel erinnerte sich mit Freuden an die Fahrten im Pferdefuhrwerk übers Land, um die duftenden Lebkuchen auszuliefern.

In den Wäldern um Dinkelsbühl wurden schon seit Jahrhunderten von  den Zeitlern die Honigwaben der wilden Bienenvölker gesammelt und daraus der Honig und das Honigwachs gewonnen.

Das alte Handwerk der Lebzelter hatte sich später daraus entwickelt und die Bienen wurden in Körben gehalten. Lebzelter hatten das Recht Wachszuziehen und Kerzen zu verkaufen, früher sogar Met zu sieden und einen Ausschank zu betreiben. Die Lebküchnerei hat in Franken eine sehr lange und angesehene Tradition.
     
Seine Konditorei war im Erdgeschoss und er lebte in diesem Haus im 4. Stadtbezirk mit der alten Hausnummer 274, heute Bauhofstraße Nr.9.
    
   
In München besuchte Sep Ruf die Volksschule und durfte wegen seines Könnens eine ganze Klasse überspringen. Dort befreundete er sich mit Golo Mann, dem Sohn des großen deutschen Schriftstellers Thomas Mann. Beide waren zudem junge Pfadfinder. Dort fand er auch die Freundschaft mit dem  jungen Werner Heisenberg, dem späteren Physiker und Nobelpreisträger. Überliefert ist die Geschichte, dass Golo und er Bücher über Napoleon, Hölderlin und  Jean Paul in dem Antiquariat Heinrich Hauser in der Schellingstraße kauften, sie auf der Bogenhausener Brücke fertig lasen und sogleich an freudig überraschte Passanten weiter verschenkten.
  
Ab dem 18.November 1917 besuchte er die Luitpold-Oberrealschule in München und legte dort seine Prüfung ab. Am 25.März 1926 erhielt er sein Zeugnis, das ihm den Übertritt in die Hochschule erlaubt hat. Aufgrund seiner Leistungen wurden ihm die mündlichen Prüfungen erlassen.

In diesen jungen Jahren lernte Sep Ruf in München seine spätere Verlobte Aloisia Mayer kennen und gewann ihre Zuneigung.
                
Nach Abschluss der Schule gab es vielfältige Wege, die dem hochbegabten jungen Mann von vielen Seiten aus geboten wurden. Neben der Erlaubnis des Bischofs, Dominikanermönch werden zu können, um anschließend ein Mathematikstudium fortzuführen, träumte er davon, Bildhauer zu werden. Weitere Möglichkeiten eröffneten sich in der eigenen Familie. Sein Onkel, Dipl. Ing. Otto Ruf, der in München in der Nymphenburgerstraße 152 lebte, war Ingenieur und Erfinder. Dieser schlug ihm vor, er solle ihm im Bereich der Weiterentwicklung seiner Erfindungen helfen. Er ging zu einem halbjährigem Praktikum zu den Reichsbahnwerken in Unterpfaffenhofen.
   
Doch auch Sep Ruf hatte sich auf seiner Suche nach einem Betätigungsfeld, bei dem er alle seine vielfältigen Gaben nutzen konnte, weiter umgesehen. Mit seinem Freund Franz Elsen, der Volkswirtschaft studierte, hatte er  mehrere Vorlesungen in der TH München, heute die TU München, besucht und dies gab den Ausschlag, sich für die Architektur zu entscheiden.

Sep Ruf besuchte ab 1926 die Technische Hochschule München und legte nach 4 Halbjahren eine Diplom-Vorprüfung für Architekten ab und erhielt am 3.August 1928 sein Zeugnis mit der Hauptnote 2,0. Damit durfte er an der Hauptprüfung für Architekten teilnehmen.
  
Als er ab 1928 reisen konnte, war das die Erfüllung eines großen Traumes. Österreich, Südtirol und Tirol, Verona, Mantua, Florenz, Rom und Neapel waren seine ersten Ziele, später auch Venedig. 1929 besuchte er Florenz und schrieb begeistert an seine Verlobte: "Liebe Luise! Ganz trunken wird man hier im herrlichen Florenz ob der tiefen Fülle und Größe der hier gelebten Menschen und Werke. Leben, schauen, staunen und arbeiten... das ist mein Tageswerk. Nun geht's über Siena, Orvieto, Rom-wärts."
   
Er war sehr sportlich, machte Touren, kletterte am Seil, schwamm, spielte auf dem Tennisplatz des Tennisclubs Iphitos. Einmal versuchte er sich sogar kurz im Speerwerfen und übertraf den olympischen Rekord.

Er fuhr leidenschaftlich gerne Ski, zuerst in perfektem Telemark und später in Christiania-Stil, machte Skitouren von Hütte zu Hütte. Als Student wurde er Mitglied des Bayerischen Alpenvereins und blieb es über 25 Jahre lang, obwohl er durch seine Aufträge keine Zeit mehr hatte Touren zu machen und dann lieber reiste. Auch Aloisia war sportlich, fuhr Ski, wanderte, schwamm und fuhr sehr gerne Fahrrad. Später kletterte sie mit ihm im Gebirge am Seil.
    
Das Leben als Student war für Sep Ruf eine neue weite Welt des Lernens.
Zu seinen Lehrern an der TH zählten Professor German Bestelmeyer und Professor Adolf Abel, der ihn in Städtebau prüfte. Er hatte Vorlesungen besucht von Prof. Sigismund Goeschel, Professor für Baukunst und Hochbaukonstruktionslehre; Prof. Dr. h.c. Hubert Knackfuß, Professor für Baugeschichte und bei dem von ihm hochgeachteten alten Lehrer Prof. Dr. Josef Popp, Professor für Ästhetik und Kunstgeschichte. Er folgte den Vorlesungen als Lehre, aber ohne sie als Maßstab für seine Vorstellungen anzunehmen. Schon damals war ihm unabhängiges Lernen sehr wichtig.
   
Die gezeigten Arbeiten sind für die TH München angefertigt worden.
   
Die Kosten des Studiums stellten ein sorgloses Studieren in Frage und er arbeitete als Student am Bau, um Geld hinzuzuverdienen. Er lernte an der TH München das Bauen und das Ingenieurwesen in den üblichen Lehrweisen der Zeit. Aber er selbst entdeckte neben seiner Liebe zur Geschichte und den alten Bauten während des Studiums seine große Liebe zur Moderne. Das Neue Bauen und alle in der Welt aufkeimenden neuen Methoden, ein Haus zu bauen, dies interessierte ihn besonders, so dass er bald als junger Mann Bauhausmöbel besaß. Später entwarf er selbst Stahlrohrmöbel, wie diesen Stuhl und andere elegante Modelle.
    
   
  
Er wuchs in der katholischen und humanistischen Lehre auf. Seine Leidenschaft war es, wo immer er war, Kunstwerke und Bauwerke zu studieren und zu zeichnen. Er liebte und besuchte viele einheimische Kirchen, besonders St. Jakobus in Urschalling und die Wieskirche. Er vertrat die Meinung: Ohne die Geschichte des Bauens und die Bauarten der Vorfahren nicht genau zu kennen und sie respektvoll zu achten, gibt es kein Weiterplanen und Bauen in die Zukunft. Doch dieses Weiterplanen des Neuen muss eigenständig sein.
 
Am 1. August 1931 erhielt er von der Technischen Hochschule München als Studierender des Architekturfaches den akademischen Grad eines Diplom-Ingenieurs. Diese Prüfung legte er mit dem Gesamturteil "sehr gut bestanden" und der Gesamtnote 1,6 ab.
  
In einem Ideenwettbewerb der Bauwelt wurde er bereits als Student prämiert. Seine zwei Zeichnungen zeigten einen Flachdachkubus und ein später von ihm gebautes Modell wurde zudem mit einem Dach erdacht. Diese ersten Arbeiten wurden später Grundlage für erste Aufträge.
Quelle Bild: Archiv Ruf.
Quelle Ideenwettbewerb: Buch von Prof. Hans Wichmann: In memoriam Sep Ruf
   
Obwohl Professor German Bestelmeyer von seinem Studenten so beeindruckt war, dass er ihm eine Assistentenstelle anbot, beschloss Sep Ruf sich selbständig zu machen. Seine eigene freie schöpferische Denkweise machte es ihm nicht möglich, in den feststehenden Vorstellungen des alten Lehrers zu denken. Mit 23 Jahren gründete er sein eigenes Büro. Es war ein Raum, den ihm Frau Pasetti, die Mutter des Schauspielers Peter Pasetti, in der Keferstraße vermietet hatte.
     
   
     
1931-1932 machte er zudem ein einjähriges Praktikum im Architekturbüro Norkauer & Lechner. Mit dem Ehepaar Anny und Theo Lechner freundete er sich an und machte mit ihnen Studien- und Wanderreisen nach Österreich und Italien und er vervollkommnete sein zeichnerisches Können bis zur Perfektion.
            
Der junge Sep Ruf war 1,86 m groß, hatte braune Augen und dunkle Haare. Er lächelte gerne und hatte ein zurückhaltendes, aber einnehmendes offenes charmantes Wesen. Es war ihm sehr wichtig, ein eigenständiges Verständnis der Moderne, des Lichtes und der Leichtigkeit in sich selbst zu finden. Das eigenständige Erarbeiten einer Idee, gerade das Selbstschöpferische war der Ursprung aus dem eigene und ursprüngliche Ideen hervorgingen. Ein Haus sollte nie beschweren, man musste atmen können. Es musste natürlich sein, unnatürliches war abzuweisen. Dies bezog sich auch auf seine Lebensvorstellung und sein geistiges Denken.    
           
    
Wohnhaus für Wilhelm Suwelack, Billerbeck
      
Wenige Jahre nach der Weltwirtschaftskrise, konnte er mit dem von ihm erdachten Hausmodell der kubischen Häuser mit und ohne Dach eine Existenz gründen. Wilhelm Suwelak war ein Süßwarenfabrikant in Billerbeck, 1931 lässt er in Westfalen  in ein parkähnliches Gelände sein einstöckiges Wohnhaus von dem frischgebackenen Architekten bauen.
     
    
    
Von 1931 an arbeitete er als freischaffender Architekt. Ab 1932 nahm er für ein Jahr seinen Bruder Franz Ruf, der, nach einem Studium an der Staatsbauschule München, ebenfalls Architekt geworden war, mit in sein Büro. 1933 trennten sich die Wege und Franz gründete wie geplant sein eigenes Büro. Sep Ruf`s nächste Büroadresse war ein Eckhaus in der Ottostraße 8/ Briennerstraße 8c. Dank der vielen Aufträge mietete er bald noch Büroräume für die Zeichner in der Giselastraße 21 dazu.

Im Jahre 1932 nahm Sep Ruf an einem Wettbewerb für den Neubau eines Kunstausstellungsgebäudes in München teil, das an der Stelle des 1931 abgebrannten berühmten Glaspalastes im Alten Botanischen Garten errichtet werden sollte. Diesen konnte zuletzt  sein alter Lehrer Prof. Adolf Abel für sich entscheiden, ihn aber nie ausführen. Für Sep Ruf zeigte es sich aber schon damals, er wollte an der Gestaltung des alten München teilhaben.
            
Weiterführende Information: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44720#17  
             
1932 wies der weitere Weg Sep Ruf zuerst nicht zum Bau von städtischen Großbauten, sondern zum Bau von besonders schönen Wohnhäusern.
     
    
Wohnhaus für Willy Rosenbusch, Ingolstadt
    
Nach seinen ersten Modellen des ersten Wettbewerbs wurde 1932 von ihm in Ingolstadt das Wohnhaus für den jüdischen Rechtsanwalt Willy Rosenbusch mit Walmdach, Pergola und Rosengarten gestaltet. Willy Rosenbusch war ein in Ingolstadt bekannter Rechtsanwalt, insbesondere für Mietangelegenheiten armer jüdischer Bürger. 1936 zog er mit seiner Familie nach Hamburg und wanderte dann nach Argentinien aus, heute lebt seine Familie in den USA.
    
    

    
   
  
    
Wohnhaus für Karl Schwend, München
    
Dr. Karl Schwend war studierter Jurist und Historiker, seit 1918 Mitglied der Bayerischen Volkspartei, Bayern, Chefredakteur bei der BVC, der Bayerischen Volkspartei - Correspondenz, dem Pressedienst der BVP. Er erlebte die Weimarer Zeit und die Folgen persönlich, wie er in seinem Buch "Bayern zwischen Monarchie und Diktatur" eindrucksvoll beschreibt. 1933 MdL. Nach 1945 war Karl Schwend ein führender Beamter in der Bayerischen Staatskanzlei und von 1950-1954 auch deren Leiter, Ministerialdirektor.
     
1. Entwurf 1931   
    
Die ersten Zeichnungen von 1931 sahen aus wie ein Bogenhausener Schlösschen, was zeigt, dass sein Gefühl für Maße auch im Traditionellen sehr feinsinnig und hochsensibel war.
     
Der weiße Kubus. (1931-1933)
   
Gemeinsame Wanderungen und Reisen führten Sep Ruf und Dora und Karl Schwend in die Berge Südtirols und auf den Spuren Goethes durch Italien. Sein Erzählen von der Helligkeit der Sonne und Leichtigkeit des Wohnerlebens, eröffnete der Familie Schwend ein neues unbeschwertes Lebensgefühl, das sie vollständig annahmen und dem jungen Architekten erlaubte, ihnen anstelle des ersten Entwurfes nun ein modernes, helles Haus zu bauen.
   
  
    
Weißgeschlemmte Wände, Fenster, die das Licht in die hellen Räume fließen ließen, zwei herrlich schwere Rundbogentüren besetzt mit fast mittelalterlichen Beschlägen auf dem massiven Holz führten nach draußen. Es war bedeckt mit einem flachen Dach aus Kupfer. Um das Haus wurde der Garten lebendig mit offenen Terrassen und mit südlichen hohen Mauern umfassten Sitzplätzen umgeben. Ein filigraner und eleganter quadratischer Balkon stand an der Sonnenseite vor dem Schlafzimmer und überdeckte die Terrasse vor dem Essraum.
     
Es war einer der ersten Flachdachgebäude vor dem zweiten Weltkrieg in Bayern.

Sep Ruf gilt u.a. als einer der Vertreter des Neuen Bauens nach dem zweiten Weltkrieg, aber die wenigsten wissen, dass er dies mit diesem Bau unabhängig davon  bereits davor ausgeführt hatte.
    
  
     
     
Ab 1933 war dann in Deutschland der Bau eines Flachdaches verboten. Er wurde wegen des Hauses Schwend verwarnt. Für lange Zeit durfte er nicht mehr so bauen. So wählte er die von ihm bereits entwickelte Form des Kubus mit dem aufgesetzten Dach. Der Außen- und Innenraum veränderte sich nicht, blieb strahlend weiß-geschlemmt und modern. Er formte weiter seine Häuser nach seinen eigenen Vorstellungen und erhielt so die Möglichkeit, viele dieser Wohnhäuser für bekannte Künstler und Professoren zu bauen. Das Leben im Ruf-Bau wurde unter Eingeweihten bekannt und beliebt.
    
1933 und 1934 baute er für den Maler Max Rauh, dessen Werke später zur entarteten Kunst zählten und den Arzt Dr. Alfred Schönwerth, dem berühmten Militärarzt des 1. Weltkrieges und für dieses Haus unter dem Wallberg am Tegernsee eine weitere eigenständige Bauform, die der ein-, als auch zweistöckigen, weißgeschlemmten Wohnhäuser mit Satteldach und zwei durch Bögen verbundenen Kamine. Wohn- und Schlafräume liegen nach Süden und Höfe, teils ummauert, sind weißgekalkt, wie in Griechenland.
      
          
   
   
   
    
Hugo-Junkers-Siedlung, Herrenwies
     
Mit 26 Jahren bekam Sep Ruf den großen Auftrag in Grünwald bei München eine Reihe von Wohnhäusern für die leitenden Mitarbeiter der Münchner Junkerswerke errichten zu dürfen. Die Hugo-Junkers-Siedlung, in der er auch das Haus der Familie Junkers/Folkerts erbaute, wurde betreut von Hayo Folkerts, der mit Hugo Junkers' Tochter Ruth verheiratet war. Die Anlage von Sep Ruf wurde von 1934-1936 auf der Herrenwies realisiert.

Bereits 1931 war unter der Leitung der Architekten Ludwig Mies van der Rohe und des Stadtplaners Ludwig Hilberseimer mit dem Bauhaus eine Junkers-Siedlung in Dessau gebaut worden, die in ihrer Art der Gestaltung im Neuen Bauen zukunftsweisend war. Der Kontakt zum Dessauer Bauhaus hatte Junkers inspiriert und auch er hatte es beeinflusst.

In diese Grundidee passte der junge Münchner Architekt und Städteplaner Sep Ruf herein. Ihm schenkte die Familie Junkers ihr Vertrauen. Jedes Detail wurde gemeinsam erdacht, er erhielt freie Hand. Es entstanden Wohnhäuser mit großen Gärten, wegen des Verbotes durfte er keine Flachdächer mehr bauen. Hier nutzte Sep Ruf das von ihm entwickelte Modell der Häuser, in deren 7 m hohen Fassaden im Giebel ein kleines rundes Fenster saß. Auch daran ließen sich bei weiteren Bauten schnell Ruf-Häuser erkennen. Die Häuser auf der Herrenwies wirkten mit der Pergola über den Sonnenhöfen, den blühenden Wirtschaftsgärten und den verbindenden weißen Mauern südlich hell. Im Krieg wurden die Bauten schwer beschädigt und nach seiner Rückkehr von ihm wieder aufgebaut.
    
   
   
Hugo Junkers (1859-1935) war ein berühmter Pionier im Flugzeugbau, z. B. Erfinder der Ju 52 , genannt "Tante Ju". Er besaß hunderte Patente auf den unterschiedlichsten Gebieten. Hugo Junkers arrangierte sich nicht mit den Nazis, wurde 1933 enteignet, er musste ohne Gegenleistung seine Patente überschreiben, wurde aus seinen Firmen entfernt und erhielt Stadtverbot für die Stadt Dessau. Junkers zog sich nach Bayerischzell in Bayern zurück und wurde dort unter Hausarrest gestellt. Er durfte sich unter Polizeiaufsicht nur im Raum Bayerischzell und München bewegen. 1935 starb er.

1933–1935 hatte sich Hugo Junkers selbst u.a. wieder mit dem Metallhausbau, einer seiner alten Forschungsinteressen, beschäftigt und er gründete in München die „Forschungsanstalt Professor Hugo Junkers GmbH“. Noch heute stehen nach über 70 Jahren seine Bauten.

Quelle Lebensdaten Hugo Junkers und Junkerssiedlung Dessau:
http://www.junkers.de     
     
1936 und 1937 entwarf Sep Ruf große Hallenbauten in Junkersbauweise. Der Metallhausbau an sich interessierte ihn sehr. Jedoch nicht nur wie bei Junkers erforscht, mit einer Metallaußenhaut, sondern mehr die statische Konstruktion. Ein Haus zu errichten, das aus Metallstützen und Dachkonstruktion bestand, und deren Wände und Fensterfronten nicht tragend eingestellt oder vorgehängt waren, das sollte seine Zukunft sein, doch soweit war es noch nicht.     
    
   
Wohnhaus für Alois Johannes Lippl, Gräfelfimg
    
Alois Johannes Lippl (1903-1957) war Theaterintendant, Autor und Regisseur. Bis 1935 leitete er die Hörspielabteilung des Bayerischen Rundfunks, dann kündigte er seinen Vertrag beim Reichssender München. Er war ab 1945 Chefredakteur der Katholischen Kirchenzeitung. Die amerikanische Militärregierung überreichte ihm in seiner Funktion als Präsident des Bayerischen Rundfunkrates im Januar 1948 die Lizenz für den Bayerischen Rundfunk. Im selben Jahr wurde er bis 1953 der Intendant vom Bayerischen Staatsschauspiel. 
    
Alois Johannes Lippl schrieb und inszenierte Fernsehspiele nach eigenen Manuskripten, wie "Der Glockenkrieg", "Die Pfingstorgel" oder "Der Hollertauer Schimmel". Als Filmregisseur drehte er Spielfilme, wie "Der Engel mit dem Saitenspiel" oder "Das Bad auf der Tenne". Sein Haus wurde 1934/1935 errichtet.
   
      
    
Ab 1936 baute er Häuser für den Regisseur Otto Falkenberg und für seinen Freund, den Dichter Josef Martin Bauer, der später berühmt wurde mit seinem Roman "Soweit die Füße tragen", für Ärzte wie Dr. Ernst Haß und für Bankiers, wie Herrn Dr. Hähnle und für den Ziegelfabrikanten Albert Meindl. Wohnhäuser, die von ihren Besitzern, jungen Familien, aber auch älteren Bauherren sehr geschätzt wurden.
      
Sep Ruf hatte so viele Kilometer zu Baustellen zu fahren, dass er nur auf einen Wagen mit guten und zuverlässigem Motor setzte. Zuerst hatte er einen kleinen Austin. Der Wagen war so klein, dass er einmal seinen Mantel auf den Beifahrersitz warf und dieser auf der anderen Seite zum offenen Fenster wieder herausflog. Dann endlich kam sein geliebter blauer Morris Cabriolet, den er sehr lange fuhr.
      
1937-1938 erbaute Sep Ruf sein erstes eigenes Haus am Tegernsee und heiratete am 11. April 1938 in Gmund am Tegernsee Aloisia Mayer. Zuerst standesamtlich im Rathaus der Gemeinde Dürnbach und dann kirchlich in der Gmunder, 1688 von dem Graubündner Baumeister Lorenzo Sciasca erbauten Kirche St. Ägidius.
    
Aloisia Luise Pauline Mayer, wurde am 2.April 1910 in München geboren.

    
Bereits der 1812 geborene Urgroßvater Karl Korbinian Mayer war Kaufmann und Fabrikant in Regensburg. Ihr Großvater väterlicherseits war der Fabrikant Karl Georg Mayer, u.a. Gründer der Firma Mayer und Seidl, die sein Sohn Friedrich dann leitete. Aus der Firma wurde letztendlich die weltweit agierende Firma MEVACO, die immer noch Lochstanzbleche und Metallverkleidungen herstellt. Die Großmutter war Anna Theresia Mayer, geb. Saemmer aus Stadtamhof, die Tochter von Josef Saemmer, dem bekannten Rossolio-, Likör- und Essigfabrikanten.
     
Aloisia war die jüngste Tochter von Friedrich Karl Mayer (1878-1914), eines Fabrikanten in München, geboren in Stadtamhof bei Regensburg. 1914 im Alter von 36 Jahren verstarb er in München und hinterließ seine Frau und zwei Töchter, Elisabeth und Aloisia, genannt Elly und Luisl. Ihre Mutter war Anna Theresia Franziska Mayer, geb. Graf (1883-1951), geboren in Regensburg.
  
Ihre Großmutter mütterlicherseits war Anna Graf, geb. Janker, deren Vorfahren aus Bogen in Niederbayern stammten. Die Familie Graf war seit Generationen Hausbesitzer und kam aus Kürn/Pettenreuth. Nach dem Tod von ihrem Ehemann Josef Graf heiratete Anna den Kommerzienrat Konrad Brunnhuber, den Aloisia und Elisabeth liebevoll ihren Großpapa nannten. Der elegante Herr mit dem Panamahut weilte oft in der Bayerischen Börse und war Hausbesitzer in München.     
   
Aloisia sollte wegen ihrer guten Noten den Anteil der Mayers an der Fabrik führen, so besuchte sie nach der Klosterschule eine Handelsschule. Sie war befreundet mit Luisa Stury, der Tochter von Richard Stury, dem berühmten Münchner Hofschauspieler und Hofrat. Aufgrund ihres Talentes besuchte sie die Hochschule für Musik in München, war Privatschülerin bei Professor August Schmid-Lindner und studierte Klavier. Prof. August Schmid-Lindner war ein deutscher Pianist, Komponist und Hochschullehrer und arbeitete mit dem Komponisten Max Reger zusammen.

Zugleich besuchte sie die Vorlesungen für Ästhetik und Kunstgeschichte von Prof. Dr. Josef Popp (1867-1932) an der Technischen Hochschule München. Aus der Fabrik zog sie sich zurück.

In jungen Jahren selbstständig zu sein war ihr völlig normal, ihr Leben fand zwischen Kunst, Büchern und Musik statt und sie besaß ein natürliches Gespür für Schönheit und künstlerisches Können. Sie war unglaublich belesen, las Dante im Original, Aischylos und Kant. Mit 18 Jahren machte sie alleine eine Reise nach Italien, wohnte in Rom bei den Grauen Schulschwestern und erlebte die Kunst und die Kultur des Landes.

Aloisia ließ sich aus der Firma auszahlen und kaufte von ihren Anteil das Grundstück, auf das Sep das Haus errichtete und sie gemeinsam ihr zukünftiges Heim aufbauten.
     
  
Dieses Bild zeigt einen Sommerausflug der Familie Ruf. Von links: Aloisia Mayer, Vater Josef Ruf und Sep Ruf.

Die Hochzeitsreise von Aloisia und Sep Ruf führte das junge Paar mit seinem MG nach Bozen.
     
    
Wohnhaus Aloisia und Sep Ruf, Finsterwald
   














Das Haus wurde wunderbar, hell, luftig, mit einem Balkon, den man mit Holzrolläden verschließen und draußen schlafen konnte. Alle Möbel und Schränke entwarf er selbst, auch schmiedeeiserne Lampen, Kerzenhalter, Beschläge und Markisenstäbe ließ er von der Schlosserei Goller in München anfertigen. Aloisia ließ ihre schmiedeeisernen Entwürfe von der Schlosserei Goser in Dürnbach und die Einrichtung nach ihren Vorstellungen arbeiten oder nähte alles selbst. Ihre Vorstellung der Kunst lag im Geradlinigen und Klaren, sie liebte es in weiß und hellem gold-braun, in handgewebtem Leinen und reiner Naturseide.
    
Seit 1931 arbeitete Sep Ruf mit dem Gartenarchitekten Alfred Raich zusammen, der in München und Umgebung die Gärten des berühmten Landschaftsgärtners Karl Foerster und die Foerster-Matternsche Schule oder den Bornimer Stil vertrat. Auch den eigenen Garten ließ er sich von ihm gestalten, so dass es bald eine Rasenfläche und einen Gemüse- und Sträuchergarten gab. Aloisia wünschte sich Rosen, Lilien und Rittersporn, rote und schwarze Johannisbeerhecken und Sep Ruf liebte es alte Obstbaumsorten, wie Goldreinetten, setzen zu lassen. Diese alten Nutzsorten schätzte Sep Ruf sehr und er ließ sie in allen Gärten anlegen.

Weiterführender Link: http://www.garten-literatur.de/Leselaube/persoenl
/foerster_karl.htm
   
Das Haus wurde von ihm mehrmals erweitert und die heutigen Bauten sind von ihm geplant und ausgeführt worden.
                 
Am Unteren Ackerberg am Tegernsee war Besuch im neuen Haus immer eine aufregende Sache. Es wurde angesehen und bewundert. Liebe Freunde kamen, wie die Familie Schwend und Lippl, Judith Holzmeister und Dieter Sattler führten auf dem Küchenbalkon Romeo und Julia auf. Viele Bauherren konnten erleben wie sonnig ihr zukünftiges Heim sein könnte. Im Haus wurde mit der Familie Gebhard und Freunden Hausmusik gemacht. Aloisia spielte Klavier und Sep spielte in dieser Zeit mit großem Ernst, neu erlernt, Geige. Sein Cousin Max Gebhard hatte ihm zu dem Instrument geraten. Dieser war der Vater von Prof. Dipl. Ing. Helmut Gebhard.
    
In dieser Zeit baute auch sein Bruder Franz ein Haus. Es war für die Eltern Mina und Josef Ruf, die aus der Stadt München auf das Land ziehen wollten. Gegenüber, auf der anderen Seite der Mangfall sollten sie und seine eigene kleine Familie in Zukunft ihr Heim haben. 1939 wurden Sep Ruf, als auch sein Bruder in die Armee eingezogen und nach Baden in Österreich geschickt, um dort eine Grundschulung zu absolvieren. Danach musste Sep Ruf am Frankreichfeldzug teilnehmen. 1939 war überhaupt ein schweres Jahr. In diesem Jahr verstarb der Großvater und sein Vater starb plötzlich vier Tage nachdem er in das neugebaute Haus in der Gasse eingezogen war.

Das Büro in München hatte viele Mühen, denn schon in dieser Zeit war es ein Problem Baustoffe zu erhalten. Dazu wurden immer mehr Männer ins Feld eingezogen, so dass plötzlich Handwerker oder ganze Firmen fehlten. Da nur er selbst entwarf, saß er in Frankreich, zeichnete und schickte mit der Feldpost seine Pläne und Blätter zurück nach Haus. Im Büro war es sein Freund und Mitarbeiter Willi Amendt, der alles zusammenhielt und sich um alles kümmerte.
   
Dieser bemühte sich auch um seine Rückkehr ins Büro und erhielt dabei tatkräftige Unterstützung von Hayo Folkerts. 1940 wurde Sep Ruf zum Bau für Industriehallen in Lamellenbauweise im Hugo-Junkers-Verfahren freigestellt, genannt u.k., das bedeutet "unabkömmlich" und er kam gesund nach Hause.
   
    
    
Hugo Junkers hatte 1921 die Firma „Junkers Lamellenbau“ gegründet, die sich mit der Überspannung eines großen Raumes für Hallenbauten aus Metall befasste. Sie wurden in vorgefertigten Bauteilen z.B. zum Bau von Flugzeughallen, Bahnhöfen und Garagen genutzt und auch von Walter Gropius und den Architekten für das Bauhaus entdeckt. 1936 im Anschluss an den Bau der Junkers- Siedlung hatte Sep Ruf nach dieser Methode bereits Industriehallen geplant. Diese Zeichnung einer Industriehalle aus Leichtmetall-Lamellendächern nach Prof. Junkers ist aus dem Jahre 1941.

Quelle und weiterführender Link:
http://www.reuss.de/mediacontent/download_files
/pdf_files/VRPE_Leporello_ansicht_RS.pdf


Sep Ruf schaffte es, selbständig zu bleiben und sein Büro aufrecht zu erhalten. Auch zu Hause gab es gute Nachrichten, seine Frau Aloisia erwartete ein Baby und alle warteten auf den großen Moment.
     
1940 wurde ihnen eine kleine Tochter geboren. Sie wurde Notburga getauft. Die kleine Familie genoss das neue Familienglück sehr und die Oma war sehr stolz auf ihr neues Enkelkind.
    
In seiner Frau fand Sep Ruf eine beruhigende und beratende Stütze und im Kreis der Familie fand er Momente der Ruhe. Er fuhr, solange es Benzin gab, zwischen München, Gmund und den Baustellen mit seinem blauen MG. Aloisia bestellte den Gemüsegarten, nähte für ihre Familie Kleider auf ihrer Nähmaschine, machte ein und heizte mit Holz und Kohle die kalten Winter weg. Sie hielten Hühner und Sep baute einen Hühnerstall. So hatte es die kleine Familie einfach aber gut. Oder wie Aloisia sagte: Glück ist in der kleinsten Hütte.
              
Lange Spaziergänge mit der Familie im Schnee waren schön. Sep und Aloisia, die die kleine Tochter im Schlitten schiebt und die Oma und zwei Nichten.

Ein stilles Familienglück in schweren Zeiten.
   
1942 erhielt er seine Einberufung an die Front nach Russland. Dort war er eingesetzt u.a. als Kartenoffizier in der 287. Panzerdivision in der 1. Panzerarmee. Auch dort zeichnete er weiter auf kleinen Blättern Entwürfe für das Büro. Seine Welt war das nicht, seine Welt war die Architektur. In der freien Zeit saß er da und träumte sich sein erstes selbstgebautes Büro. Er zeichnete sich dieses Büro im Detail, wie es sein sollte. Dies war bereits ein Haus in Metallbauweise.

Auch sein Bruder Franz war eingezogen worden und war auch zuerst Soldat in Russland und dann in Rumänien. Beide erhielten wenige Male Feldurlaub und konnten ihre Familien sehen. Die Feldpost erlebte einen regen Briefwechsel in seine Richtung. Willi Amendt schrieb fast jeden 2. Tag, was im Büro und auf den Baustellen passierte. Immer weniger Baumittel waren zu bekommen und immer weniger Männer konnten auf den Baustellen arbeiten. Alles war knapp. Auch Berichte von der Familie Lechner über das zerstörte München und über die Auswirkungen der Brandbomben waren äußerst beunruhigende Nachrichten. Aloisia's Familie wurde ausgebombt und fand am Tegernsee ein vorübergehendes Zuhause. 
    
1942 erreichte ihn dann in der Ferne die Nachricht, dass Aloisia ihm seinen kleinen  Sohn Gregor geschenkt hatte. Damit war das Glück in dieser dunklen Zeit wieder vollkommen.
   
Mithilfe von Willi Amendt und seinen noch nicht eingezogenen, angestellten  Architekten und Zeichnern, schaffte Sep Ruf es, sein Büro aufrecht zu erhalten, aber seine Abwesenheit war sehr zu spüren. Immer wieder versuchte Amendt ihn zurückzuholen, aber keiner der Anträge wurde bewilligt. So musste er ausharren. 1944 schrieb ihm Willi Amendt tröstend in der Feldpost: " Wenn das jetzt alles endlich vorbei ist, können wir bald wieder so bauen, WIE WIR WOLLEN!"

Als der Krieg zu Ende war, ging er zu Fuß aus Russland zurück. Er erzählte, dass die russischen Bauern sehr gut zu ihm gewesen waren und ihm zu Essen gaben. Er schwamm mit der Kleidung auf dem Kopf durch die Donau und kehrte zurück. Zuerst ging er zu seinem Freund Josef Martin Bauer nach Dorfen, der ihm eine Lederhose und eine Joppe gab und nachts ging er heim.

Eines Morgens stand er vor dem Garten und Aloisia konnte es nicht fassen, dass er wieder da war. Am nächsten Tag nahm er das Fahrrad von Aloisia und fuhr damit nach München.
       
Er wurde schnell von den Amerikanern zugelassen und eingesetzt.  Am 9.6.1945 wurde er in den Bund Münchner Architekten aufgenommen.
    
Seine Büro- und Zeichenräume in der Giselastraße und in der Ottostraße waren beide kriegsbeschädigt und zerbombt. Ein Teil seiner Bauunterlagen und Pläne waren zerstört worden. Er gab das Büro in der Ottostraße auf und wählte die Giselastraße als künftiges Büro aus. Er übernahm den Auftrag das Haus wiederaufzubauen. So schlug die Familie Schwend vor, dass er bis dahin ein Zimmer bei ihnen nehmen sollte und so war die Adresse seines ersten Architekturbüros nach dem Krieg die Wasserburgerstraße 15 in München. Auch dieses Haus war am Dach kriegsgeschädigt, durch Bombeneinwirkungen vom 2.10.1943, 9. und 13.7.1944 und vom 14.2.1945, es wurde mit einem ausgebauten Notdach bewohnbar gemacht.
    
Das eigene Haus am Tegernsee war kurz von den Amerikanern zu einem Offizierskasino genutzt worden, doch sie konnten sehr bald zurückziehen und in manchen Nachbarhäusern waren amerikanische Familien einquartiert worden, eine besonders freundschaftliche Beziehung erwuchs mit der Familie Ros. 
     
Die ersten Weihnachten 1945 waren arm, aber so glücklich.
Sep Ruf baute heimlich für seine Tochter eine selbstentworfene Puppenküche und einen großen Holzzug für seinen Sohn, seine Frau buk die Dekoration für die Puppenküche und richtete alles ein und es wurden aus buntem Glanzpapier grüne, rote und goldene Sterne ausgeschnitten und mit Äpfeln und Plätzchen an den Baum gehängt.
     
Er erhielt die Zusagen und Bescheinigungen, dass er im Wiederaufbau eingesetzt wurde. Am 18.7.1945 erhielt er den Auftrag, zuerst vom Kath. Stadtpfarramt Christkönig, für den Wiederaufbau der ausgebrannten Christkönigkirche und dann weitere vom Stadtrat der Landeshauptstadt München und der Regierung von Oberbayern.
     
   
                     
      
Wiederaufbau der Christkönigkirche, München
    
Vor dem Bau des Schlosses Nymphenburg, das diesem Ort dann seinen Namen gab, hieß das kleine Dorf weit draußen vor München die Schwaige Kemnaten, erst als München sich bis dort hinaus ausbreitete, wurde es 1922  zur Pfarrei erhoben. 1929/30 erbaute der Architekt August Blößner die Kirche in der Notburgastraße in Nymphenburg in neubarocker Art mit dem ovalen Grundriss, die 1945 durch einen Luftangriff ausbrannte.

Das Stadtpfarramt wählte aus mehreren Entwürfen, die Sep Ruf erstellte, einen relativ modernen Plan aus. Weißgeschlemmte Wände, der Boden ausgelegt mit Naturstein, glattes Holzgestühl, Lampen aus vier verbundenen Neonstäben, die schwebend weiß eine wunderbare Beleuchtung ergaben. Schmiedeeiserne Kerzenhalter fassten elegant die Wände ein. Statt der alten Decke gestaltete er eine weite, flache Holzkuppel, die er durch einen 60 cm hohen Lichtstreifen freischwebend abhob, der später von innen geschlossen wurde, so verschwand der schwebende Eindruck. Michael Kardinal von Faulhaber, Erzbischof von München und Freising weihte die Kirche am 17.12.1948.
              
               
      
Link: http://www.erzbistum-muenchen.de/Pfarrei/Page003934.aspx

      
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