Leben - Aufbau


Es wandten sich viele seiner alten Bauherren an ihn, da auch ihre Wohnhäuser kriegsbeschädigt waren. Sep Ruf konnte mit seinem Morris, der in einem Stadl überstanden hatte, wieder über das Land zu den Baustellen fahren. Er kam von den Reisen zurück mit dem Wagen vollgepackt mit guten Sachen, Bauernbrote, fränkische Wurst, Töpfe voller Honig und Eimer voller Blaubeeren und Himbeeren, die Aloisia noch nachts einmachte und die gleich in die Speisekammer wanderten.

Neue Bauherren kamen bereits hinzu und  es wurden die vorhandenen Baustoffe genutzt. Er organisierte auch das gegenseitige Helfen, wenn ein Bauherr Ziegel hatte, konnte ein anderer Bauherr mit ihm die fehlenden Holzbalken tauschen.
   
Bald wandten sich auch Gemeinden an ihn und beauftragten ihn mit der Erstellung von Bebauungsplänen, wie die Gemeinden seines Wohnortes des Tegernseer Tales, Gmund, Dürnbach, Bad Wiessee, Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth, dazu Bayerischzell und Penzberg.  
   
     
Wohnhaus für Siegried Vetter, Feldkirchen
      
1946 errichtete er für den Holzhändler Siegfried Vetter in Feldkirchen bei München ein ebenerdiges Wohnhaus mit großen, hohen Vordächern, die auf Holzsäulen ruhten. Darum herum gestaltete der Gartenarchitekt Alfred Raich wieder den Gartenbereich.   
    
   
   
    
    
Würzburg war zu 75 % zerstört und Nürnberg zu 51 %. München lag zu 33 %  in Trümmern.

Dr. Karl Schwend in seiner Funktion in der Staatskanzlei und Dr. Franz Elsen als Abgeordneter waren an der Ausarbeitung der Bayerischen Verfassung beteiligt. Am 01.12.1946 nahm die Bevölkerung mit 71 % die Verfassung an und wählte den 1. Landtag nach dem Kriege. Bereits 1947 entwickelten die USA ein Hilfsprogramm für die Europäischen Staaten, den Marschallplan. Im ERP (European Recovery Program) stellten die USA 60 Millionen DM zur Verfügung. Neue Wohnhäuser wurden in Auftrag gegeben und in der Giselastraße begann das Leben wieder. 
               
Die Amerikaner trugen viel dazu bei, Bayern eine Stabilisierung zu geben und ihre Wahl der Männer, die dies realisierten, war auch zukunftsweisend für die weitere Geschichte Bayerns. Männer, wie Ludwig Erhard, der als Volkswirtschaftler 1948 im Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes der Bi-Zone in Frankfurt zum Direktor der Verwaltung für Wirtschaft gewählt wurde.
   
Sep Ruf wurde 1947 zum Professor für Architektur und Städtebau an die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg berufen. Die Akademie war in das Schloss Ellingen ausgelagert, da das alte Akademiegebäude zerstört war. Er arbeitete an dem Bebauungsplänen für Nürnberg und der Bebauungsplan Hausnergasse in Ellingen fand eine Belobigung von Ministerpräsident Ehard.
       
Das Grundgesetz trat am 23.3.1949 in Kraft. Im August gab es freie Wahlen in den Westzonen und im September trat der erste Bundestag zusammen und wählte Dr. Konrad Adenauer zu ersten Bundeskanzler der BRD.

Erster Bundespräsident wurde Theodor Heuss.

Sep Ruf erlebte diese Geschehnisse durch seine Freunde aus nächster Nähe und lernte die Arbeit Dr. Ludwig Erhards früh kennen, da der Aufbau Bayerns auch in sein Ressort als Wirtschaftsminister fiel. Seine sehr gut erdachte Währungsreform änderte viel im aufstrebendem Deutschland.

In München wurde gleich nach dem Krieg der Bayerische Aufbaurat gegründet. Sep Ruf engagierte sich sofort und schrieb an den bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard: "Sehr verehrter Herr Ministerpräsident! In Ihrer Rede zur Gründung des Bayerischen Aufbaurates haben Sie uns alle angerührt, die wir uns für die Neugestaltung der Gegenwart in die Zukunft hinein verantwortlich fühlen....Wir freilich stehen auf Trümmern, aber trotzdem wir nur noch Trümmer haben, sind wir geistig und künstlerisch verantwortlich für echte Schöpfung, nicht (nur) für Renovationen....Wenn wir auch ein von der Not schwergeprüftes Volk sind, so haben wir doch viel zu gestalten für die Welt."
     
    
Bau der Bayerischen Staatsbank, Nürnberg
     
Ein besonderer Auftrag war der gewonnene Wettbewerb für den Bau der Bayerischen Staatsbank in Nürnberg, der von 1949-1951 dauerte.
    
  
  
Gegenüber der alten St. Lorenzkirche gelegen, wurde das moderne Gebäude mit 3 Stockwerken errichtet. Nach den Bombenschäden war noch der im Boden liegende Tresor des vorherigen Gebäudes da und darauf erstand nun ein Atriumhaus mit einer Außenverkleidung aus in der Umgebung abgebauten Sandstein. Raumhohe Fenster und der imposante Treppenaufgang öffneten die städtische Fassade nach außen.
    
      
   
Innen, das Herz, ein Lichthof, mit einer 30 x 40 m Glasdecke über dem am Grunde liegenden Schalterraum. Der weite, offene Saal ruhte auf weißen Säulen, die durch weiße Lichtstäbe aufgelöst und mit hohen Glaswänden und rahmenlosen Glastüren aufgeteilt wurden. Dieser beindruckende Raum wurde von allen Seiten hochgelobt.
   
   
   
    
    
   
  
  
   
   
   
   
   
               
              
2013 wurde das Gebäude der Staatsbank in Nürnberg von dem Bayerischen Staatsministerium für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat als Standort für das neugeschaffene Heimatministerium erwählt.

http://www.nordbayern.de/region/nuernberg/soder-heimatministerium-soll-bis-2014-arbeit-aufnehmen-1.3296362

http://www.youtube.com/watch?v=cvkzs617BLM&feature=share&list=UUrU4b_4Wul3KiJb0tP6miog
   
   
             
Der soziale Wohnungsbau war ihm ein besonders wichtiges Anliegen. Hans Eckstein schreib über ihn:" Im Wohnungsbau (Wohnhaus in der Theresienstraße in München, weitere, im Bau befindliche Wohnbauten in München), wird offenbar, wie eng sich mit seinem Formgefühl ein soziales Verantwortungsgefühl verbindet...In den Siedlungen, die er mit dem Frankfurter Architekturbüro....in Bonn und Bad Godesberg baute und die hinsichtlich ihrer architektonischen Qualität und ihres Wohnwertes das Meiste weit hinter sich lassen, was an "sozialen Wohnungsbau" in Deutschland entstanden ist, bekundeten sich auf Ruf's hervorragenden städtebaulichen Fähigkeiten."
      
     
Wohnungsbau Wohnhochhaus Theresientraße, München
      
   
   
Das von 1950-1952 erbaute und in München als "Hochhaus" bezeichnete Haus an der Ecke Theresienstraße und Türkenstraße war als etwas Außergewöhnliches zu sehen. Gefördert wurde es durch die Mittel des Sonderfonds von Ministerpräsident Dr. Ehard. Männer aus Nürnberg hatten sich 1948 zu einem "Verein zur Behebung der Wohnungsnot e.V." zusammengeschlossen. In über 50 Städten im Bundesgebiet waren bereits Häuser errichtet worden, dies war das Erste in Süddeutschland. Sep Ruf war beratender Fachmann des Münchner Vereins.               
  
    
   
  
   

Die Bauweise wich vollkommen von den üblichen Normen ab. Der schmale, 7-stöckige Bau wurde berühmt, wegen der Offenheit nach außen und seiner Helligkeit. Die kleinen Wohnungen waren weiß, modern, licht durch eine vollständige Süd-Fensterwand, die die Sonne einlässt, eine Aussicht in einen Park schenkte und einen Balkon, dessen Gitter den Blick in das Grüne nicht beschränkte und durch undurchsichtiges Glas vom Nachbarn abgeschirmt war.
  
   
   
  
  
Es gab in jeder Wohnung: Wohnzimmer, Küche, Bad und Schlafzimmer und eine Mehrzimmer- Kachelheizung. Dazu gab es einen Lift, Garagen, Abstellräume für Kinderwägen und Räder, Waschhäuser mit Trockenräumen und eine automatische Wasserdruckanlage.
   
Als Hommage an den Bau von Sep Ruf planten die Architekten Sauerbruch & Hutton ihr gegenüberliegendes Museum Brandhorst so, dass man die Spiegelung des Ruf-Baus im Eingangsbereich sehen kann.
   
   
   
http://www.baunetz.de/dl/635010/baunetzwoche_125_2009.pdf
  
In München baute er weitere Wohnanlagen, denn Wohnungen waren mehr als dringend notwendig. Sie entstanden u.a. in der Steinhauser-/Zaubzerstraße, in der Nauplia-/Eschenstraße und später in der Franz-Josef-Straße.
     
Mit dem Verwaltungsbau und den Wohnbaugebieten für die HICOG begannen die ersten Arbeiten von Sep Ruf in Bonn.
   
 
Bauten für die HICOG, Bonn-Bad Godesberg
     
Der Hight Commissionner of Germany beschloss am 21.9.1949 nach Bonn zu übersiedeln und er nahm seinen Dienstsitz im Schloss Deichmanns Aue in Rüngsdorf am Rande der Mehlemer Auen.

Das Schloss wurde im Krieg von den Alliierten beschlagnahmt und besetzt. Dann wurde es für die HICOG durch ein mit einigen Nebenbauten verbundenes achtgeschossiges Verwaltungsgebäude erweitert. Diesen Auftrag führte Sep Ruf 1950-1952 zusammen mit dem Frankfurter Architekturbüro Apel, Lethocha, Rohrer und Herdt durch. Zudem wurde der Bebauungsplan hierfür von Sep Ruf erstellt.

Das Verwaltungshochhaus wurde nach der Auflösung der Hoch Kommissare von 1955-1999 zur Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in Bonn. Das Schloss und die Nebenbauten wurden zum Ministerium für Bauen, Wohnen und Städtebau. Nach der Wiedervereinigung zog die Regierung mit vielen Ministerien nach Berlin um, aber es verblieben einige Ministerien in der ehemaligen Hauptstadt Bonn. Heute befinden sich darin die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
    
   
       
Zugleich wurden von ihnen in Muffendorf und Tannenbusch Siedlungen für die deutschen Mitarbeiter errichtet und in Plittersdorf eine Siedlung für die amerikanischen Mitarbeiter. Die Grundstücke wurden von der BRD bereitgestellt, mit amerikanischen Geldern bebaut und nach Fertigstellung der BRD geschenkt. Auch diese drei Bebauungspläne wurden von Sep Ruf erstellt und mit dem Frankfurter Architekturbüro Apel, Lethocha, Rohrer und Herdt durchgeführt. Besonders sind hier die amerikanisch breiten Straßen und die hellen Wohnungen. Jede Siedlung umfasst ca. 400 Wohnungen und wurde in 9 Monaten errichtet. Zwei jeweils mit einem elfstöckigen Wohnhaus in der Mitte.

Der amerikanische Oberkommissar John J. Mc Cloy und Bürgermeister Hopmann machten am 15.2.1951 den ersten Spatenstich. An den Baustellen arbeiten ca. 6000 Arbeiter und es wurden 70.000 m³ Erde bewegt. Dafür wurde mit dem vorhandenen alten Baumbestand wie mit rohen Eiern umgegangen und während des Bauens sogar wenn nötig um den jeweiligen Baum ein Schutz gebaut.

(Link zum BLE:
www.ble.de/cln_090/nn_417472/DE/08__DieBLE
/dieble__node.html?__nnn=true )

(Link zum BBR:
www.bbr.bund.de/cln_032/nn_21460/DE/BautenBundesBonn
/BautenPolitik/BundesamtfuerBauwesenundRaumordnung
/BundesamtfuerBauwesenundRaumordnung.html  )

http://www.baukunst-nrw.de/objekte/HICOG-Siedlung
   
       
Bau der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg     
     
1950 erhielt er nach einem Wettbewerb den Auftrag die Akademie Nürnberg als Neubau zu errichten.
    
   
     
     
    
Die Bauten, in einem parkartigen Waldgrundstück nahe des Nürnberger Tiergartens gelegen, sollten hell, großzügig und schwebend werden. Ein- und zweistöckige verglaste Pavillons für Verwaltung, Klassen, Ateliertrakte, Mensa und Labore, um Innenhöfe gruppiert, alles durch überdachte schmale Gänge verbunden.
  
   
   
   
  
Die Aula ist ein Bau, der sich durch seine Höhe weithin sichtbar hervorhebt und durch seine hohe Verglasung eine völlige Durchsichtigkeit schenkt.
   
   
   
   
   
    
   
  
  
  
   
  
   
Das Lernen in direktem Bezug zur Natur und der Blick in den grünen Park mit den alten Bäumen waren ihm wichtig. Ein Lehrbetrieb innerhalb von geschlossenen Räumen ohne Bezug nach außen, schien ihm nicht angenehm und förderlich. Gerade bei hochkonzentriertem Arbeiten waren ihm der Blick von dem inneren Entwerfen und Lernen in die Weite notwendig. " Die Augen müssen in die Ferne und in das Grüne schauen können."
   
  
   
  
  
   
  
  
   
   
   
  
                       
1954 wurde der Bau durch die Auswirkungen des Koreakrieges verspätet fertiggestellt. Leider aus Kostengründen nicht, wie Sep Ruf es wollte, mit einem Kupferdach, sondern mit einem Zinkdach, das nach mehreren Sanierungen 1984 durch ein flachgeneigtes Walmdach ersetzt wurde. Diese Anlage wurde als erster Bau der Nachkriegszeit in Süddeutschland zum Baudenkmal ernannt.
   
  
   
   
  
   
   
   
   
   
    
  
   
  
  
Die Ateliers liegen an den Atriumhöfen und machen eine Arbeit einerseits in den Räumen, sowie auch in den Freilufthöfen möglich. Die Kiefernwälder duften südlich und in der Stille ist die Studiemarbeit unbeschwehrt und die Studenten sprechen von einer unvergesslich schönen Zeit.
   
   
   
  
   
   
   
  
    
   
  
               
   
Die Akademiegebäude an der Bingstraße werden durch Bauten der Architekten Hascher Jehle erweitert.

Die Architekten: „In respektvollem Abstand zu den denkmalgeschützten Bestandsgebäuden von Sep Ruf arrondiert der neue Erweiterungsbau das Gesamtareal und schafft mit einer selbstverständlichen und ruhigen architektonischen Ausformulierung den neuen "Akademie-Campus" der Akademie der Bildenden Künste.

Quelle: Zitat Architekten: http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen
-Neubau_fuer_Kunstakademie_in_Nuernberg_818556.html
   
   
      
1951 war Sep Ruf Teilnehmer der zweiten Darmstädter Gespräche. Das Thema der Ausstellung lautete "Mensch und Raum" und "Die Meisterbauten (realisierte Architekturentwürfe)". Otto Bartning hatte die Diskussionsleitung, weitere Teilnehmer waren u.a. Hans Eckstein, Egon Eiermann, José Ortega y Gasset, Richard Riemerschmid, Hans Scharoun, Rudolf Schwarz und Hans Schwippert.
    
   
    
Bau Wohn-und Geschäftshaus Franz-Josef-Straße, München         
      
Von 1951-1954 baute er ein Hochhaus in der Franz-Josef-Straße in München. 33 Eigentümer erteilten Sep Ruf den Auftrag ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten.  Ähnlich wie bei der Theresienstraße stand dahinter eine Wohnbau Treuhand mbH. Das Gebäude war durch raumhohe Fenstertüren, die auf Balkone führten, verglast und Treppe und Lift lagen in dem hellen Verbindungsstück. Im Erdgeschoss waren die Läden und Gärten lagen entlang des Habsburgerplatzes. In dieses Haus zog er mit seinem Büro als Eigentümer in den 6. und 7.Stock, mit der neuen Adresse Franz-Josef-Straße 26, ein.
    
     
Erstes Gebäude für die BHG, Frankfurt am Main   
    
Die Berliner Handelsgesellschaft war vor dem Krieg einer der größten Banken Deutschlands mit Sitz in Berlin gewesen. Nachdem die frühere Hauptstadt nun in vier Zonen aufgeteilt im russischen Sektor im Osten lag, baute die Bank ihren neuen Standort in Westdeutschland in der zukünftigen Finanzmetropole Frankfurt am Main auf. Nach einem Wettbewerb erhielt Sep Ruf 1951 von der Berliner-Handels-Gesellschaft den Auftrag für den Bau eines Bankgebäudes in der Taunusanlage. Ein vierstöckiges Gebäude, mit einer, wie mit schmalen viereckigen Steinsäulen unterbrochenen, Fensterfassade und Flachdach.  Den späteren nachfolgenden Hochhausbau im Rothschildpark erhielt er ohne Wettbewerb.
    
( Link: www.bhf-bank.com, links oben bitte auf " Die Bank" klicken, dann links auf Geschichte und dann rechts bei Historienbroschüre auf "Geschichte der BHF Bank" klicken und das PDF öffnen, in Teil II wird die Geschichte der BHG Bank und in Teil III die der BHF beschrieben und Bilder der Bauten gezeigt.)
       
      
Wettbewerb CIUP, Paris     
     
Die berühmte internationale Studentensiedlung Cité internationale universitaire de Paris, die 1925 in Paris gegründet wurde, war zur Völkerverbindung gedacht. Die CIUP schreibt auf ihrer Homepage: "The project to build the Cité Internationale was financed by governments, associations, schools and patrons, with leading names including Konrad Adenauer, John Rockefeller Jr and Murry Guggenheim. Some residences were even built as a result of fundraising campaigns among local populations in cities and departments."

Die CIUP beherbergt heute über 10.000 Studenten und Wissenschaftler aus 140 Ländern. Die 40 Studentengebäude, verteilt in einem Park, wurden von namhaften Architekten für ihre Länder, wie von Le Corbusier, errichtet. Sep Ruf nahm 1953 an einem auf 8 deutsche Architekten beschränkten Wettbewerb für den deutschen Pavillon teil, plante helle Gemeinschaftsräume um einen vierstöckigen Studentenbau, transparent und offen, für alle Studenten sonnige Zimmer und gewann den 2. Platz. Den ersten Platz erhielt der Architekt Johannes Krahn. Andere eingeladene Architekten waren: Egon Eiermann, Rolf Guthbrod, Wassily Luckhardt, Wilhelm Könketer, Rolf Lodders und Theo Papst.
                
(Weiterführender Link CIUP: www.ciup.fr/en/ )   
              
                
1952-1955 war er Mitglied im Kuratorium für den Aufbau der Stadt Nürnberg.

1953 erhielt Sep Ruf den Kulturpreis der Stadt Nürnberg.
    
              
Er begann wieder zu reisen, mit der ganzen Familie nach Italien. Seine Tochter hatte eine kleine Boxkamera bekommen und fotografierte die ganze Reise, nach Österreich über den Pass nach Verona und nach Venedig.

Die Kinder wuchsen unbeschwert auf dem Land auf, besuchten die Kälbchen vom benachbarten Bauernhof. Familienwanderungen in die Berge und auf die Königsalm waren schöne Tagesausflüge.
Außerdem kam ein winziges Knäuel ins Haus, das man, weil es so klein war, zuerst Bärle nannte. Seine Mutter hatte ihnen den Welpen aus dem Wurf ihrer Hündin Rethi gegeben. Aus ihm wurde der Berry, ein sehr geliebter Schäferhund. Der Tierpark erweiterte sich später für die Kinder noch um Katzen, Hasen und Tauben. Sep Ruf zeichnete auch eine große Hundehütte und den Taubenschlag selbst.
    
    
1952 beschloss er zusammen mit seiner Familie in die Sonne zu ziehen. Nämlich vom unteren Ackerberg auf den oberen Ackerberg. Dort realisierte er zuerst zwei, dann drei Flachdachbungalows mit Glaswänden und Holzdächern, auf den Berg geschmiegt, entlang der Berglinie, ohne sie zu stören.  Auch hier richtete Aloisia alles nach ihren klaren Vorstellungen ein und erlebte das Südliche in strahlenden weißen und warmen Brauntönen, aber auch in Farbe, in blau und türkis.

Als sein Freund, der Maler und Grafiker Olaf Gulbransson Sep Ruf besuchte, interessierte ihn das Haus sehr. Dagny Gulbransson-Björnsson schreibt in ihrem Buch "Olaf Gulbransson": "Die großen Glaswände zum See und der stufenlose Boden, der die Räume direkt ins Freie führte, gaben (Olaf) das beglückende Gefühl, schon im Haus wie draußen zu sein. Das war nach seinem Sinn. "Du hast die Sonne eingefangen", sagte er zu ihm."
  
Das Haus, dass sich Luise Erhard und ihr Mann der Wirtschaftsminister Ludwig Erhard gewünscht hatten, sollte hell, sonnig und offen für ein unbeschwertes Sommererleben mit der ganzen Familie sein. Ein Landhaus eben, bei dem man alle Türen und Fenster öffnen konnte und in das die Sonne hereinkam. Die Nordseite geschlossen, geschützt gegen die rauen Nordwinde und eine südliche Fensterfront, die vollständig geöffnet werden konnte.
    
             
           
Luise und Ludwig Erhard nahmen ganz entscheidenden Anteil an den Besprechungen, wo sie Schränke und andere Einrichtungsgegenstände haben wollten und Sep Ruf entwarf seine Möbel für sie und freute sich, wenn sie zufrieden waren. Jedes Detail wurde genau bedacht und den Bedürfnissen der zukünftigen Hausherren angepasst. Später wurde das Haus ausgebaut, um Arbeitszimmer und Büro zu erweitern und einige Schlafzimmer mit kleinem Wohnraum für die Familie beizufügen.    
  
   
    
Zwischen den Familien entstand über Generationen ein herzliches und freundschaftlich hoch geachtetes Verhältnis. Gegenseitige Einladungen und gemeinsame Reisen mit den Familien in die Umgebung waren schöne Momente, zum Beispiel ein großer Ausflug nach den Klöstern Wessobrunn und Andechs, wo der Abt sie herumführte und ihnen die Goldene Rose der Heiligen Elisabeth von Thüringen zeigte, blieben in glücklicher Erinnerung.
   
1954 kam noch ein weiterer "Ackerberger" dazu. Der Verleger Heinrich Merkel, Herausgeber der Nürnberger Nachrichten. Im selben Jahr hatte Sep Ruf für ihn bereits ein Wohnhaus in Nürnberg errichtet, das vom Stil her mehr seinen früheren Wohnhausbauten mit Giebeldach, Balkon und südlichen Fensterfronten glich.

Am Tegernsee ließ er sich bis 1956 von Sep Ruf sein kleines Ferienhaus in Flachbauweise bauen, das später zum Wohnhaus erweitert wurde. Dieses Haus erhielt große holzeingefasste Glasschiebewände mit Holzlamellenschiebetüren zum Verschließen und zur sommerlichen Belüftung. Sein Haus liegt zwischen dem Haus des Architekten und dem von Ludwig Erhard.
     
     
Sep Ruf und seine Frau Aloisia legten immer sehr viel Wert auf ein unabhängiges, aufmerksames und glückliches Aufwachsen für ihre Kinder, die auf Lernen und selbständiges Verstehen aller Dinge beruhte. Die Kinder erhielten eine humanistische, weltoffene Bildung und lernten Latein und Griechisch. Nie wurden sie wenn Gäste da waren weggeschickt. Sie sollten alles miterleben, waren Teil des gemeinsam Erlebten. Beide waren ausgezeichnete und lebendige Lehrer.
   
Im Winter war einer der schönsten Dinge das Skifahren. Die Kinder waren über 25 Jahre Mitglieder im Skiclub Bad Wiessee, nahmen erfolgreich an den Ski-Clubrennen teil und waren sehr elegante Skifahrer.
  
   
    
  
    
Für den Sommer kaufte Sep Ruf ein von dem Bootsbauer Vötterl aus Starnberg gebaute H-Jolle. Auch mit ihr nahmen die Kinder jahrelang sehr erfolgreich mit der H 174 an Regatten am Tegernsee und am Chiemsee teil. Aber auch nur zur Freude verbrachte die ganze Familie schöne Tage auf dem See und genoss das Segeln.
   
              
Im Jahre 1953 wurde Sep Ruf Professor für Architektur und Städtebau an der Akademie der Bildenden Künste in München. Hans Eckstein schrieb freudig: "Die Münchner Hochschule der Bildenden Künste hat einen guten Fang getan. Ab 1. April wird die Architekturabteilung von dem Architekten Sep Ruf geleitet werden."
    
Genauso wie an der Akademie Nürnberg wurde er als Lehrer von den Studenten hochgeachtet und geliebt, besonders wegen seiner Freundlichkeit und Ruhe, die er ausstrahlte, der hohen Kompetenz, die er vermittelte und auch seinen Studenten abverlangte. Er glaubte nicht daran einem Studenten etwas beizubringen. Es konnte nur gebildet werden, was innerlich bereits vorhanden war. Viele seiner Schüler arbeiteten in der Studienzeit oder auch später als Architekten bei ihm im Büro oder fanden ihren Platz in der weiten Welt.

Als Sep Ruf an die Akademie in München berufen wurde, beseitigte man gerade die massiven Schäden aus dem Krieg und er übernahm den Neuaufbau der Eingangshalle, dessen hoher Raum mit Bögen und hohen halbrunden rahmenlosen Glasfronten, hell und offen wirkt.
   
    
Bau der Neuen Maxburg, München   
   
In München baute er 1952-1957 eines seiner Glanzpunkte, die Neue Maxburg.
   
    
  
Auf dem Gelände sollte durch einen Wettbewerb 1952 das Grundstück der im Krieg fast vollständig zerstörten Herzog-Max-Burg bebaut werden. Sep Ruf erhielt den Auftrag zusammen mit dem Architekten Theo Papst. Jeder hatte getrennt voneinander Pläne abgegeben. Für sie war es von größter Wichtigkeit gewesen, den Renaissance-Turm vollständig einzubinden. In der Ausschreibung durfte auch ohne Turm geplant werden. Der Turm aber wurde bei ihnen zum Maß für die weitere Planung. Zum Maß für die Höhe und die Gestaltung der eleganten Fassade.
    
    
     
München erhielt mit diesem Bau die erste städtische Tiefgarage. Der Komplex umfasst mehrere bis zu achtstöckige Gebäude mit einem weiten grünen Innenhof, verglaste, die Häuser verbindende Übergänge, Cafés, Ladenbauten, das Justizgebäude und das Erzbischöfliche Ordinariat mit den Bronzetoren von Prof. Karl Knappe und die Karmeliterkirche. Sein BMW Pavillon wurde sehr viel später stilistisch verändert.
    
     
    
Der Eingang des Justizgebäudes ist 7-Etagen hoch unter einer großen Glasdecke, ein offener Eingang mit schwebender Treppe. Im Innenraum dieses hohen Atriumraumes liegt ein Boden in schwarz-weißem Kassettenmuster aus Naturstein, mit dem er auch die ganzen Außenflächen um die Turmfassade und bis zum Eingang gestaltet hatte.

Diese Außenfläche wurde später mit stadtüblichen grauen Fußgängerwegplatten ausgelegt und Bäume vor die  Parkplatzreihen gepflanzt, die den Eindruck einer italienischen großzügigen Piazza weggenommen haben. Im Erdgeschoss der Maxburganlage sind unzählige unterschiedliche Läden. Man blickt weit in den Innenhof, in dem Prof. Josef Henselmann seinen Mosesbrunnen errichtete, eine Skulptur auf einem 6 m hohen Granitmonolithen.    
                   
          
                    
 
   
                         
Manche nennen München die nördlichste Stadt Italiens und obwohl sich der Stil der Maxburg sehr eng an den italienischen Formen des alten Turmes angleicht und München voller griechisch und römisch anmutender Bauten steht, war das Gebäude vielen alten Münchnern zuerst zu modern und die Furcht, dass es nicht zum alten München passe, war schon vor dem Bau groß. Nachdem sich einige Platten der Natursteinverkleidung lösten, gab man fälschlicherweise den Architekten die Schuld. Nach der sachgerechten Anbringung, hält sie bis heute und als während des Baues der Bayerische Ministerrat beschloss, die gesamte Justizverwaltung in der Maxburg unterzubringen, hatten die Architekten auf die Anweisung zu reagieren und dies verursachte natürlich Umbau- und Mehrkosten, die auch wieder zu Diskussionen auf dem Rücken der Architekten führte.
   
              
  
              
   
             
             
Heute ist die Maxburg als Schmuckstück in München vollständig angenommen, die Läden werden gerne besucht und der Innenhof ist den Münchnern im Sommer ein beliebter kühler Ort um am Mosesbrunnen die Cafés zu besuchen. Die Generationen von Architekturstudenten, die um und durch das Gebäude, die Eingangshalle und die geschwungene Treppe geführt werden, sind mittlerweile zahllos. Sie betrachten eines der schönsten Bauten in Deutschland.
               
              
               
                       
                    
             
                  
  
   
                
(Link BMW Pavillion: http://www.bmw.de/de/de/insights/world_of_experience/exposition/lenbachplatz/history.html )
   
                  
Bau Wohnhaus für Dr. Böhner. Ratingen
    
Frau Dr. Böhner war die Tochter aus der ersten Ehe von Frau Luise Erhard, so war sie die Stieftochter von Bundeskanzler Dr. Ludwig Erhard. Sie und ihr Mann Dr. Böhner ließen sich von Sep Ruf in Ratingen ein Flachdachgebäude bauen, das später mit einem Gästehaus erweitert wurde.
  
   
    
( Weiterführender Link: Haus Böhner: http://friedwurm.de/texte/texte/essays
/geschichte-weiterschreiben.html )
     
    
Bau der Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn            
      
1920 war in der Weimarer Republik die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft zur Förderung der Forschung in Berlin ansässig geworden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinschaft auf Initiative der Hochschulen, des Stifterverbandes und der Kultusministerien der Länder wieder gegründet und ihr neuer Sitz wurde eine Villa in Bonn. 1949 wurde der wissenschaftspolitisch orientierte Deutsche Forschungsrat gegründet, mit  Unterstützung der Max-Planck-Gesellschaft, der Akademien der Wissenschaft in Göttingen, Heidelberg und München.

1951 wurden die Gemeinschaft und der Forschungsrat zusammengelegt und erhielt den Namen Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG. Der erste Präsident der DFG  wurde Prof. Dr. Ludwig Raiser. Die stark wachsenden Aufgaben und Mitarbeiter der Gemeinschaft forderten bald neue Räumlichkeiten und so wurde Sep Ruf 1953 zum Bau eines Verwaltungsgebäudes beauftragt.

Er errichtete in mehreren Schritten bis zu vierstöckige Verwaltungsbauten, ein Kasino, einen Speise- und Veranstaltungssaal und dann einen zweigeschossigen Atriumbau und zuletzt 1960 einen Kasinoneubau. Der 47 m lange Hauptbau wird durch verglaste Gänge mit den anderen Gebäuden und den Wirtschafts- und Küchenräumen, sowie den Dienstwohnungen verbunden.
   
(Weiterführender Link: www.dfg.de , dort klicken auf DFG im Profil und dann auf Geschichte, da kann man einiges zu Gründung und der Zeit lesen und sehen.)
   
              
Im gleichen Jahr erhielt Sep Ruf einen Auftrag, der ihn ein viertel Jahrhundert begleiten sollte. Der Wiederaufbau des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg wurde von 1953-1976 nach den Plänen von Sep Ruf zusammen mit Harald Roth ausgeführt. Ein Kartäuserkloster aus dem späten Mittelalter bildet den Mittelpunkt der Anlage. 1857 wurde der Komplex bei der Gründung in die Museumsplanung mit eingefügt. Wie in eine Vitrine sollten nun diese alten Mauern eingefasst und zudem durch neue Bauten erweitert werden. Der erste Bau wurde 1955-1958 der Theodor-Heuss-Bau.
   
    
Auf der Seite "Leben - bis 1982" wird das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg genau beschrieben.    
    
   
Wohnanalage und Geschäftshaus Hirschelgasse, Nürnberg
   
1953-1954 errichtete er die Wohn- und Geschäftshausanlage in der Hirschelgasse 36/38 und 40/42. Mit Blick auf den Lauferer Turm entstand inmitten der Stadt Nürnberg über Eck ein Wohnhaus mit Geschäften. 
    
   
   
   
   
  
   
In dessen Innenhof liegt bis heute ein Garten, der ein besonderes Refugium für die Bewohner darstellt. Rosen und Lavendel im Überfluss, ein Ruhepol.

Eintrag in die Denkmalliste 1988.
   
   
  
   
   
  
   
   
   
Im Mittelpunkt steht der Treppenturm des einen Seitengebäudes, dessen flache Dachplatte auf den weiß lackierten Stäben zu schweben scheint.   
   
   
    
   
    
   
  
(Link: 
http://www.baukunst-nuernberg.de/epoche.php?epoche=Nachkriegszeit&
objekt=Wohnanlage_Hirschelgasse )
    
    
1954 bis 1956 wurde er Mitglied des Bundesvorstandes der Bund Deutscher Architekten BDA.

    
Der Deutsche Werkbund 

Am 6.10.1907 wurde in München der Deutsche Werkbund von einer Vereinigung von Künstlern, Architekten, Unternehmern und Sachverständigen gegründet, um handwerkliche Kultur in die beginnende Massenproduktion einzubringen.  Sein Sitz war in Darmstatt. "Die gute Form" und Stil sollte zur Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk führen.

Von 1918-1933 war Theodor Heuss sein Geschäftsführer und Vorstandsmitglied. 1938 wurde der Werkbund aufgelöst. 1947 organisierte Hans Schwippert ein Treffen, so kam es zur Neugründung in Rheydt und 1949 wurde Theodor Heuss, als Geschäftsführer des Werkbundes zum Bundespräsidenten der BRD ernannt.

1957 beteiligte sich der Werkbund an der Interbau in Berlin, in der auch Sep Ruf zwei Wohnhäuser baute. 1958 war Walter Rossow mit der Landschaftsgestaltung der Weltausstellung in Brüssel beauftragt. Sep Ruf und Egon Eiermann waren die Chefarchitekten.

Mitglieder des Deutschen Werkbundes waren u.a. Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Theodor Heuss, Hans Schwippert, Bruno Paul, Richard Riemerschmid, die Vereinigten Werkstätten München, die Wiener Werkstätten, Hans Poelzig, Bruno Taut, Henry van der Velde, Konrad Adenauer, Otto Bartning, Hans Scharoun, Lyonel Feininger, Hugo Häring und bis zu seinem Lebensende auch Sep Ruf.

1954 bis 1958 wurde Sep Ruf Vorsitzender des Deutschen Werkbundes.
                   
( Link: http://www.deutscher-werkbund.de , Klicken auf Geschichte)

(Weiterführender Link: www.architekturmuseum.de/ausstellungen
/detail.php?which=74)
    
                
1955 war er Gründungsmitglied der Akademie der Bildenden Künste in Berlin.  


 
Im Jahre 1696 wurde in Berlin die "Academie der Mahler-, Bildhauer- und Architectur-Kunst" gegründet. Ihr erster Standort war im Marstallgebäude Unter den Linden. 1907 zog die Akademie in das Gebäude, Pariser Platz Nummer 4.

In der Weimarer Zeit versammelte sich unter der Präsidentschaft des Malers Max Liebermann die kreative Intelligenz Deutschlands. Die ab 1933 herrschende Gleichschaltung führte zur Zerstörung der Weichen, die für die künstlerische Freiheit gelegt worden waren. 40 Künstler wurden zum Austritt gezwungen, wie Ernst Barlach, Ricarda Huch, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Heinrich Mann, Thomas Mann und Arnold Schönberg. Die Akademie musste ausziehen.

Nach dem Krieg wurde beschlossen, die alte Akademie am alten Standort wieder aufzubauen. Dieser lag in Berlin Ost. Der erste Präsident sollte, auch um Ansehen zu gewinnen, Heinrich Mann werden, doch er starb kurz vor seiner Abreise in den USA. 1954 erkannte man, dass es von größter Wichtigkeit war, eine freie Akademie West wieder aufzubauen und zu den Gründungsmitgliedern gehörte Sep Ruf. Von 1955 bis 1982 blieb er Mitglied der Akademie der Künste, Berlin (West), Sektion Baukunst.
            
(Quelle und weiterführender Link: www.adk.de/de/akademie/geschichte/ )
                 
             
Die Arbeit als Architekt und Städteplaner führte ihn weit über die Grenzen Europas heraus.
    
     
Wettbewerb Central Bank of Iraq, Bagdad
    
Am 2. August 1954 erhielt Sep Ruf einen Brief von Professor Otto Bartning mit der Einladung zu einem Wettbewerb zum Bau der Central Bank of Iraq in Bagdad. Verschiedene europäische Länder sollten durch ihre besten Architekten vertreten sein und er hoffe, dass er zusage. Sep Ruf stimmte zu.

Die Errichtung der Bank war auf einer Insel in Bagdad geplant. In Darmstadt gab es ein Treffen aller Teilnehmer im "Hotel Traube".
   
  
    
Sep Ruf plante das Erdgeschoss wegen des sumpfigen Bodens auf Säulenstützen, 5 Stockwerke aus Stahlbetonskelettbau mit Natursteinverkleidung und mit Glas. Die Belichtung der Schalterhalle und des Sitzungssaales erfolgte durch ein Atrium und gegen Sonnenlicht abgeschirmte Glaskuppeln. Besonders wichtig waren ihm die klimatischen Verhältnisse. Trotz der vorgeschriebenen Klimaanlage, setzte er zudem auch noch auf die alten, traditionellen Kenntnisse in diesen Regionen: Steindämmung und natürliche Belüftung, Schutz der Fenster durch bewegliche Aluminium-Lamellen und die besondere geschützte Lage der Räume. Dazu einen Dachgarten, der die Aufheizung der obersten Stockwerke durch die Sonne abhalten sollte. Die Wände schmückten Mosaike.
    
    
    
Ende März kamen die 11 Projekte im Royal Institute of British Architects in London an, um von dort verpackt und versiegelt an den Verein Irakischer Ingenieure nach Bagdad verschickt zu werden. Am 17.4.1955 war die Prüfung, seine geheime Nummer war die 11. Das Preisgericht schreibt: "Das Projekt Nr. 11 hat einen ganz anderen Charakter (als die anderen) und wirkt anziehend durch seine reine und genaue Anlage und die Planung der Nebengebäude, aber der Zugang zur Schalterhalle und ihre Arrangements sind nicht annehmbar."
                 
Das Ergebnis lautete nach Aufdeckung der Namen:

Gewinner und besonders Erwähnte:

9 Prof. Wilhelm Dunkel Zürich/Schweiz                                      Gewinner
7 Prof. Palle Svenson, Copenhagen/Dänemark                          2.Platz
10 Prof. Werner March, Berlin/Charlottenburg/Deutschland        3. Platz
5 Mr. Celsing und Mr. Tesch, Stockholm Schweden
11 Prof. Sep Ruf, München/Deutschland

Danach wurden die weiteren Couverts geöffnet:

In der Reihenfolge ihrer Plätze:

Gordon Tait, London/England
Monsieur D. Rosenburg, Den Haag/Niederlande
Monsieur Pierre Baillieau, Frankreich
Signore Giovanni Ponti, Mailand/Italien
Prof. Alvar Aalto, Helsinki/Finnland
Monsieur Henry Lacoste, Brüssel/Belgien.
    
    
Bau Amerikanisches Generalkonsulat, München   
   
Das Generalkonsulat der USA in München, am Englischen Garten gelegen, sollte wie alle Konsulate in Deutschland nach den Plänen der amerikanischen Architektengruppe Skidmore, Owings und Merrill, SOM, geplant werden, jedoch wurden die Pläne vom Münchner Stadtrat nicht angenommen und die Genehmigung nicht erteilt. Die unbeachtet gebliebenen hässlichen, groben Brandwände waren hauptausschlaggebend, aber auch der Umstand, eine für ganz Deutschland normierte Bauform an einer der eleganten Palaisstraßen Münchens zuzulassen, war der Münchner Stadt nicht recht. Da nichts voranging, wurde Sep Ruf hinzugezogen und beauftragt die Pläne zu überarbeiten und nachdem er sie wunschgemäß mehrmals umgearbeitet hatte, reichte er schließlich einen völlig eigenständigen Entwurf ein, dieser wurde angenommen. Seine Vorstellung zeigte den offenen und freiheitlichen Ausdruck, den die Vereinigten Staaten von Amerika für ihn vermittelten.
    
Er verkleidete die Brandmauer und bebaute die Anlage mit einem verglasten Pavillonbau. Der elegante Hauptbau ist ein dreigeschossiger Bau auf weißen Säulen schwebend getragen, in Stahlbetonskelettbauweise mit einer Fassade aus hellen braun-rötlichen Natursteinplatten, eingefasst in goldfarbene Metallrahmen und Fenster, die den blauen Himmel wiederspiegeln. Das amerikanische Generalkonsulat in München ist heute der drittgrößte diplomatische Standort der Vereinigten Staaten in Deutschland und der letzte noch in Nutzung befindliche Bau von allen amerikanischen Konsulatsbauten aus den 50er Jahren. Heute ist es ein Kulturdenkmal. 1985 wurden zum Schutz aller Botschafts- und Konsulatsgebäude die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und ein massiver Zaunbau um das Haus gesetzt.
    
    
1957-1960 war Sep Ruf Präsident der Akademie der Bildenden Künste in München.

In dieser Eigenschaft vertraute er auf sein Können und auf seine weltweite Reputation und baute an seinem Traum einer Schule. Er versammelte Professoren und Studenten aus Deutschland und dem Ausland um sich, brachte Weltoffenheit in alle Gebiete der Akademie. Mit dem Maler Jean Deyrolle und dem Bildhauer Emilio Greco wurden von ihm die ersten ausländischen Professoren in der Nachkriegszeit berufen, er holte den Griechen Professor Jan Despo (Ioannis Despotopoulos) und auch sein Bemühen, den Dänen Robert Jacobsen zu berufen, fruchtete 1962.
Er organisierte Gastvorlesungen von dem Architekten Richard Neutra und vom dem Leiter des Basler Kunstmuseums Dr. Georg Schmid.
   
    
Eine besondere Zuneigung fasste Professor Olaf Gulbransson zu dem Architekten und Freund Sep Ruf. Seit langem kannten sie sich als Professoren und durch Vorstellung an der Akademie und Sehen im Tal. Aber seitdem Sep Ruf 1953 an die Akademie nach München gewechselt war, vertiefte sich die Zuneigung zu einer lebenslangen treuen Freundschaft.      
    
Professor Gulbransson war eine große Persönlichkeit und ein großer Maler und Grafiker. Er hatte ein fast unfehlbares Gespür welchen Menschen man lieben konnte und diesen schloss er in sein Herz. Dazu gehörte auch Sep Ruf und das traf auf Gegenseitigkeit. Diese Zuneigung breitete der norwegische Künstler und seine Frau Dagny auch über die ganze Familie aus.

Einen dieser glücklichen Momente erlebte er bei einem Besuch bei Sep Ruf am Ackerberg. Olaf Gulbransson und seine Frau lernten an diesem Tag Ludwig Erhard und dessen Frau Luise kennenlernten und verbrachten den Abend bis in die Nacht vor dem offenen Kamin mit der Familie Ruf und den alten Freunden Emil Frey, Werner Heisenberg, Karl Knappe und Richard Riemerschmid und herrlichen Gesprächen.
    
Eine weitere schöne Erinnerung war eine Reise zum Tiroler Landesmuseum nach Innsbruck, das 1957 eine Ausstellung für Olaf Gulbransson und Josef Oberberger veranstaltete. Dagny Gulbransson-Björnsson schreibt in ihrem Buch "Olaf Gulbransson": "Olaf, der sonst nie bei seinen eigenen Ausstellungen dabei sein wollte, hatte diesesmal Lust hinzufahren. In seinem großen, bequemen Wagen" (ein weißer Ford Custom, Anm. d. Verfassers) "fuhr uns schon abends zuvor der Freund Sep Ruf hinüber." Man wohnte in Hotel "Maria Theresia" und am nächsten Tag besuchte man die Eröffnung und dann die Ausstellung im Museum, danach gab es ein großartiges Essen, bei dem viele offizielle Persönlichkeiten aber auch bayerische und Tiroler Freunde da waren. "Auf der Heimreise am Achensee entlang summte Olaf, gelöst und in bester Stimmung, seine norwegischen Volkslieder vor sich hin und hielt Sep Ruf dabei an der Hand fest, so dass dieser nur mit der Linken lenken konnte. Vom Lieberhof gingen wir zu Fuß weiter. Olaf drehte sich immer wieder um und winkte ihm lange nach - es war seine letzte Fahrt über Bayerns Grenzen hinaus."
                
(Quelle Tirolreise: Aus dem Buch: Olaf Gulbransson - Sein Leben erzählt von Dagny Gulbransson-Björnsson, Verlag Günter Neske 1967)   
  
    
Vertretung des Landes Bayern in Bonn            
   
Jedes Bundesland der neuen BRD errichtete in Bonn eine Vertretung seines Landes. Einer der Ersten war auch der Freistaat Bayern. Vorgegeben waren Arbeitsräume für den Bevollmächtigten, seine Mitarbeiter und für den bayerischen Ministerpräsidenten. Büroräume, großzügige Ausstellungsräume, Empfangsräume, ein Küchen- und Essbereich und ein rückwärtiges Gartengelände.

Der Bau ist ab 1956 in Stahlskelettbauweise in Gitterziegelmauerwerk ausgeführt und die frei vor den Stahlstützen aufgehängte Holzfensterfassade ist in ca. 2,20 m breite Flächen unterteilt. Die berühmte Bayerische Bierstube ging durch alle Medien, als gerne genutzter Treffpunk zu Besprechungen. In der Folge wurden die Gebäude durch Anbauten erweitert. Die Fassade wurde in späterer Zeit kurz hellblau, doch mittlerweile wurde sie in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt.
      
   
Bau Wohnhaus für Wilhelm Hellwig, Schwalmstadt
    
Wilhelm Hellwig, ein Landmaschinenhersteller, beauftragte Sep Ruf von 1955-1959 mit dem Bau seines Wohnhauses in Treysa bei Kassel. Am Hang gelegen, plante er ein mehrstöckiges Flachdachgebäude mit Atrium, in einem parkähnlichen Gelände, das von Hermann Mattern gestaltet wurde. Der direkte Zugang in den Garten gab diesem Haus den besonderen Ruf-Charme. Der Eindruck des schwebenden Daches auf goldenschimmernden Räumen ist besonders bei Nacht ein wunderbarer Anblick. Für Herrn Helwig realisierte er später auch noch die Fabrikgebäude. Herr Helwig empfahl ihn an den von ihm hochgeachteten Nicolas G. Hayek.

2003 erhielt das Haus den Denkmalschutzpreis des Landes Hessen.
         
( Weiterführender Link zu Haus Hellwig: www.sep-ruf.de/ )    
                
    
Bau des Royal Filmpalast, München
     
Am Goetheplatz baute Sep Ruf im Auftrag den Royal-Filmpalast, damals eines von zwei Kinos in Europa, das das Tod-AO Verfahren ausstrahlen konnte. Der Stahlskelettbau, auf dem auf Stützen der große ca. 1000 Plätze fassende Kinosaal über dem gläsernen Erdgeschoss mit dem 500 Personen fassenden kleinen Saal und mit Läden und einer Bank schwebte, ist außen mit Mauerwerk und Keramikplatten verkleidet. Die Fassade wird durch feine hohe Stahlstützen unterbrochen, an denen die Filmtafeln befestigt waren. In den Innenräumen  trugen die Wände eine nachtblaue Textilverkleidung oder eine elegante Holzverschalung mit indirekter Beleuchtung.

Der Royal Filmpalast wurde eröffnet mit der deutschen Uraufführung des amerikanischen Musicals "Oklahoma", zu dieser Aufführung ging die ganze Familie und auf die Bühne trat Michael Todd, der Erfinder des Todd-AO Verfahrens und hielt eine kleine Rede. Er war mit der Schauspielerin Elizabeth Taylor verheiratet. Am 14. Oktober 1960 wurde die Familie zur deutschen Uraufführung von "Ben Hur" eingeladen. Einladende waren der Royal Palast, die Deutsche Filmkünstler Nothilfe und Metro-Goldwyn-Mayer. In den 80er Jahren wurden die zwei insgesamt 1.500 Sitze fassenden Kinosäle in fünf Kinoräume unterteilt und 1997 wurde die Fassade saniert und eine Glasfassade davor gehängt, um die Front gegen die Autoabgase und Umweltverschmutzung zu schützen.
       
       
Interbau 57, Berlin
    
1957 wurde in Berlin im Hansaviertel die Internationale Bauausstellung durchgeführt, die Interbau 57. Ein Treffen der internationalen Architekten- und Kunstwelt.
1874 wurde das Wohngebiet Hansaviertel im Stadtteil Tiergarten gegründet. Ein gutbürgerliches Wohngebiet, mit historistischen Bauten und auch Ateliers von Künstlern. Einige Bewohner des Hansaviertels waren Käthe Kollwitz, Dietrich Bonhoeffer, Lovis Corinth, Helmuth James Graf von Moltke, Max Reinhardt und Kurt Tucholsky. Nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg waren mehr als 90 % des Geländes zerbombt. Zwischen 1955 und 1960 wurde auf dem Gebiet des Südlichen Hansaviertels eine Mustersiedlung errichtet.

53 Architekten aus 13 Ländern wurden zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. 35 Entwürfe wurden um einen Platz verwirklicht. Alle Vertreter des Neuen Bauens, darunter Alvaar Alto, Paul Baumgarten, Egon Eiermann, Walter Gropius, Arne Jacobsen, Oskar Niemeyer, Max Taut, Pierre Vargo und Sep Ruf. 1160 Wohneinheiten in Hoch- und Flachbauten, Kirchen, Kino, Ladenpassage, Bibliothek, Kindergarten und U-Bahnstation. Walter Rossow, der Berliner Gartenarchitekt, plante von Beginn an und erhielt zehn deutsche und internationale Gartenarchitekten zur Seite, um die Grünflächen zu gestalten.

Drei Bauten wurden zudem im Rahmen der Ausstellung von Le Corbusier, Hugh Stubbins (USA) und Bruno Grimmek errichtet.
Teilnehmende Künstler waren u.a. Henry Moore, Fritz Winter, Bernhard Heiliger und Hans Uhlmann.
    
     
   
Sep Ruf plante zwei ebenerdige Flachdachbauten mit unverputzten Klinkerwänden und raumhohen Fenstern. Die Wohnräume bilden eine Gruppe umgeben von Terrassen, während die Schlafzimmer alle langgestreckt am Gang zum Garten hin liegen.
    
    
               
(Liste der Architekten: www.berliner-hansaviertel.de/bauten.htm  ,für vier Außenaufnahmen bei Sep Ruf auf i klicken.)   
          
    
EXPO 1958, Brüssel
   
Das Symbol der Weltausstellung in Brüssel 1958 war ein Stern mit fünf unregelmäßigen Strahlen, der von einer Erdkugel begleitet wurde. Das Wahrzeichen war das heute weltberühmte Atomium. 

Nach dem zweiten Weltkrieg war dies der erste internationale Auftritt der Bundesrepublik Deutschland bei einer Weltausstellung. Die Bundesregierung beauftragte den Vorsitzenden des Deutschen Werkbundes, Hans Schwippert, eine Kommission zu gründen, die die eingegebenen Vorschläge der Architekten prüfte und man entschied sich für Egon Eiermann und Sep Ruf, als Chefarchitekten des Deutschen Pavillons und für die Gartengestaltung wurde Walter Rossow hinzugezogen. Der Werkbund stellte die Ausstellungsinhalte unter dem Motto "Leben in Deutschland" zusammen.

Die ersten Überlegungen, eine Weltausstellung auszurichten, wurden in Brüssel bereits im Jahre 1947 angestellt. Stattfinden sollte sie im Jahr 1955, aber der Koreakrieg und die Verschärfung des Ost-West-Konfliktes führte zu einer Verschiebung. 1952 wurde die Weltausstellung auf das Jahr 1958 festgesetzt. Im März 1954 konstituierte sich die "Gesellschaft der universellen und internationalen Ausstellung Brüssel 1958", die offizielle Bezeichnung für die Ausstellung lautete "Exposition universelle et internationale de Bruxelles, Wereldtentoonstelling Brussel 1958". Am 24.September 1954 wurde im Heysel-Park der Grundstein für die Weltausstellung von König Bauduin gelegt.   
          
Entwurfsskizze
                
1956 besuchte Sep Ruf das 18.000 m² große Gelände in Brüssel, das man für den deutschen Beitrag der Weltausstellung bereitgestellt hatte. Dazu mitgenommen hatte er seine Tochter und seinen Sohn. Sie sahen sich den hügeligen Park mit den uralten Bäumen an. Die Höhendifferenz betrug ca. 5 m.

Nachdem die anderen Teilnehmer zuerst ihre Plätze ausgewählt und zugewiesen und vorrangig flache und offene Flächen für ihre Pavillons bekommen hatten, erhielt Deutschland seinen Platz, ein Gelände mit alten Baumbestand, der nicht gefällt werden durfte. Sep Ruf war sehr zufrieden damit, die Stelle erhalten zu haben, die alle anderen wegen ihrer Hügeligkeit und der alten Bäume abgelehnt hatten. Ein Architekt musste nach seiner Vorstellung mit allen Gegebenheiten fertig werden und es war lebendiger und spannender seine Vorstellungskraft einzusetzen und etwas Einzigartiges zu machen.

Auf der Hinfahrt hatten sie das Ulmer Münster besucht, waren die 768 Stufen des Hauptturmes hinauf gelaufen und auf der Rückfahrt übernachteten sie in Paris,  besuchten den Louvre, Montmartre, Notre Dame und liefen alle erreichbaren Kirchen und Museen ab. Sie besuchten Versailles, Chartres und die Chapelle Notre Dame du Haute de Ronchamp, die herrliche Kirche von Le Corbusier.
   
Am 7.7.1957 trafen sich Eiermann, Ruf, Ludwig und Rossow.    
   
Aus vielen eingereichten Vorschlägen wurden die von Prof. Egon Eiermann und die von Prof. Sep Ruf ausgewählt. Egon Eiermann hatte wie Sep Ruf zunächst getrennt voneinander eigene Entwürfe eingereicht.
Egon Eiermann schlug eine langgestreckte Lösung vor. Sep Ruf entwarf dagegen Pavillons, die er mit Stegen schwebend verband. Er wollte so wenig Erdarbeiten wie möglich, da der Park später wieder in seinen alten Zustand zurückversetzt werden sollte und setzte die Bauten wie Inseln durch Stege verbunden nur darauf. Aufgrund seines Vorschlages der Pavillons wurde daraufhin von Sep Ruf und Egon Eiermann ein Konzept für die Weltausstellung in Brüssel 1958 weiterentwickelt.     
    
Im Teamwork planten sie auf 6000 m² acht bis zu dreigeschossige, verglaste Pavillons im weiten  Rechteck angeordnet um einen weiträumigen Gartenhof, alles schwebend, durchsichtig mit Stegen verbunden und offen begehbar. Das restliche Gelände wurde in einen Garten verwandelt, mit einen künstlichen Teich zwischen den Pavillons und einigen Skulpturen. Zudem wurden von beiden Architekten Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände entworfen.
Der Zugang führte über eine 57 m lange Brücke, hängend an Stahlseilen, deren Pylon 50 m hoch war und von Ferne auf die Anlage hinwies, deren glänzende Gebäude, durchsichtig schimmernd, über den grünen Rasenflächen zu schweben schienen.
   
   
      
    
   
  
Die Weltausstellung fand vom 17.April bis zum 19.Oktober 1958 statt.
   
In seiner Eröffnungsrede sagte König Bauduin am 17. April 1958:

"Es genügt, einen Blick auf das Ausstellungsgelände zu werfen, das durch das Atomium als Symbol der Wissenschaft von morgen dominiert wird, um die Summe der Intelligenz, des Wissens und der Arbeit zu erkennen, die notwendig war, um den Heyselpark in einen Mikrokosmos der Welt von heute zu verwandeln. Die Menschheit ist in eine neue Ära ihrer Geschichte eingetreten. Stärker als je zuvor scheint die Zivilisation durch die Wissenschaft bestimmt zu werden. Die Kräfte ihrer Möglichkeiten, die sich niemand noch vor einem Vierteljahrhundert hätte vorstellen können, wurden in die Verfügungsgewalt der Menschen gegeben; aber zwei Wege eröffnen sich vor uns: Der einer Rivalität, die zu immer gefährlicherem Wettrüsten führt, und sie droht, dass die Entdeckungen, die dem Genie der Wissenden entsprangen, gegen die Menschheit selbst entfesselt werden. Und der Weg, der es erlaubt, wie immer auch die Unterschiede in den sozialen, politischen und geistigen Konzeptionen sind, sich für die Verständigung zu engagieren, die als einzige zu wahrem Frieden führen kann.

Das Ziel dieser Ausstellung ist es, meine Damen und Herren, eine Atmosphäre der Zusammenarbeit und des Friedens zu erwecken. Die größten Kräfte des Westens und des Ostens, alle Völker, alle Rassen sind hier prächtig vertreten. (...)

Die Technik allein genügt nicht, um eine Zivilisation zu erschaffen. Damit sie Element des Fortschritts sein kann, bedarf es der gleichzeitigen Entwicklung unserer moralischen Standpunkte und unseres Willens, gemeinsam eine konstruktive Anstrengung zu unternehmen. Dies ist, meine Damen und Herren, die große Idee, die das belgische Volk inspirierte, die Welt zur Verbrüderung bei dieser Ausstellung einzuladen, die wir heute eröffnen. Meine Damen und Herren, mit dieser großen Hoffnung, von der ich gerade sprach, erkläre ich die universelle und internationale Ausstellung von Brüssel des Jahres 1958 für eröffnet."

Quelle: Exposition universelle et internationale de Bruxelles 1958. Les messages et les congrès. Brüssel 1960, S. 7f.
   
   
  
Für Deutschland war Minister Ludwig Erhard gekommen und besichtigte die Deutschen Gebäude.     
    
In der zeitgenössischen Presse wurde der deutsche Beitrag seiner zurückhaltenden Einfachheit und Präzision wegen sehr gelobt. Der "L'Express", Paris schrieb: "...der Deutsche Pavillon ist der intelligenteste der Weltausstellung...". "Figaro", Paris:"... die Deutschen haben mit...einer ganz pariserischen Grazie eine Ausstellung von Beispielhafter Klarheit errichtet...". "The Times", London schrieb:" Im Gegensatz zum ...Glass Cage des französischen Pavillons... ist der deutsche Pavillon der eleganteste; in ihm sind alle Qualitäten der Leichtigkeit und Transparenz, die zu diesem Stil der Architektur gehören, voll ausgeschöpft....Der strukturelle Rahmen - ein Meisterwerk von Feinheit und Präzision -  ist schwarz, der übrige Anstrich und die Jalousien... sind weiß. Trotzdem ist der Gesamteindruck keineswegs nüchtern, sondern leuchtend und froh....". "The Observer", London: "Hinter Großbritannien liegt Westdeutschland, schön wie gemalt und präzise, wie ein Maschinenteil...". ""La Stampa", Turin:" ...eine Folge von lichten, sachlichen Würfeln aus Glas und Stahl formen die Sektion der BRD...wunderbare Bücher, Spielsachen und Bilder..."." Die Weltwoche", Zürich: " Die Bauten sind schlicht, einfach, von durchsichtiger Klarheit....Wenn einzelne deutsche Kritiker diese sympathische Art der Repräsentation ihres Landes spöttisch als zu harmlos und biedermännisch ablehnen - tant pis pour eux......."." Elseviers Weekblad", Den Haag: "...die Deutsche Abteilung ist die schönste der ganzen Weltausstellung..."
   
   
  
Sep Ruf und seine Frau erlebten mit den beiden Kindern die Eröffnung und besuchten die Ausstellungen und die anderen Pavillons. Die Tochter machte viele Bilder mit ihrem Fotoapparat. Sie blieben ein paar Tage und reisten einen Tag lang nach Gent und Brügge. Sie besuchten ein Konzert, bei dem der König, Minister, ausländische Politiker und Gäste gebeten waren und bei dem Herbert von Karajan ein Mozartstück dirigierte.

Zurück fuhren sie über Frankreich, besichtigten Nancy und Metz, übernachteten in Straßbourg und gingen in das Straßbourger Münster und fuhren wieder an den Tegernsee.

Die ganze Expo war insgesamt voller Veranstaltungen und Ereignisse, wie Modeschauen, Konzerte, Kongresse und einem Filmfestival, bei dem der König neben vielen Prominenten auch Sophia Loren, Walt Disney und Romy Schneider begrüßte. Audrey Hepburn besuchte das Atomium und auch Prinzessin Grace und der Fürst von Monaco waren Gäste der Ausstellung. Ebenso wie Königin Juliana der Niederlande, Prinzessin Margret von England und die Präsidenten Eisenhower und de Gaulle.

Die Expo 1958 in Brüssel wurde von 41.454.412 Besuchern besichtigt.
     
   
   
Am 22.7.1958 fuhr Sep Ruf erneut mit dem Wagen nach Brüssel, um dem deutschen Bundespräsidenten Theodor Heuss am nächsten Tag den Deutschen Pavillon vorzuführen und ihn am übernächsten Tag zur Besichtigung der gesamten Ausstellungen und einer Kunstausstellung zu begleiten. Über Aachen fuhr er zurück nach München.  
   
Am 30.Juli 1958 erhielt er einen Brief des Chefs des Bundespräsidialamtes mit der Mitteilung: "Im Auftrag des Herrn Bundespräsidenten beehre ich Ihnen mitzuteilen, dass dieser seine Genehmigung zur Annahme des Ihnen von seiner Majestät dem König der Belgier verliehenen Offizierkreuzes des Leopold-Ordens erteilt hat."

Als Chefarchitekt wurde er Offizier des Leopoldordens, überreicht vom König der Belgier, König Baudouin.
              
               
   
In einer Rede vor dem Österreichischen Ingenieur- und Architektenverein Tirol, sagte Sep Ruf später: "Der Bau in Brüssel war eine umfassende Dokumentation und Repräsentation für Deutschland. Er war besonders wichtig als erster Auftritt vor dem Forum der Welt. Es war ein Teamwork...das mit 14 grundsätzlich gleichgesinnten Architekten-Kollegen... in der knappen Zeit von 2 Jahren durchgeführt wurde...und dessen Resultat kein Kompromiss oder eine Mixtur...war, sondern etwas Eigenes, über den einzelnen Individuen stehendes Drittes."
    
   
   
Die Pavillons waren in Deutschland vorgebaut und in Brüssel vor Ort, da nach der Ausstellung alle Pavillons wieder abgebaut werden sollten, zusammengesetzt worden. Allerdings wurden viele andere Gebäude in der Umgebung oder im eigenen Land mit Stolz auf die Architektur wieder aufgebaut und bis heute genutzt. So wollte man auch mit den Deutschen Pavillons verfahren, denn es gab Interessenten, aber nur die Brücke wurde als Autobahnbrücke wieder aufgebaut und ist bis heute als Fußgängerbrücke in Betrieb.
   
Am 18. September 1958 starb der Freund Olaf Gulbransson auf dem Schererhof. Das war ein sehr trauriger Moment.   
   
1958 steckte sich Sep Ruf mit Polyoemilitis (Kinderlähmung) an.
     
Seine Tochter begleitete ihn auf einer Reise nach Italien und Griechenland. Nach ihrer Rückkehr erlitt er einen Schwächeanfall, der nicht mehr wegging. Sein Hausarzt, Dr. Mack aus Bad Tölz, stellte die Krankheit Kinderlähmung schnell fest, so dass ihm umgehend in München geholfen werden konnte. Lange Wochen lag er in der Klinik Rechts der Isar und wurde von den Nonnen der Barmherzigen Schwestern gepflegt. Die ganze Familie war in Quarantäne. Es ging ihm sehr schlecht. Sobald er wieder stabil war, wollte er ein Telefon, aber diesmal sagten die Ärzte nein, das Büro konnte sich selbst helfen und alle hielten zusammen. Sein Freund Josef Oberberger schrieb und malte ihm jeden Tag eine aufmunternde Nachricht, die ihn zum Lachen bringen sollte.

Egon Eiermann schrieb ihm am 10.11.1958:

"Lieber Sep!

Ich habe eben gehört, wie es um Dich steht. Tu uns allen, die wir Dich so gern haben, den Gefallen und hadere nicht. Es wird Zeit dauern; aber es wird alles wieder gut.

Herzliche Grüße!

Dein Eiermann"

Zu Weihnachten kam er wieder zu seiner geliebten Familie und konnte durch das Schwimmen und einer Massage nach amerikanischer Methode langsam wieder laufen lernen und zu seiner Arbeit zurückkehren. Bis zu seinem Lebensende musste er jedoch eisern für seine Beweglichkeit arbeiten, täglich schwimmen und viel spazierengehen.

    
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